Full text: Ferdinand Lassalle

176 
Sie hatte sehr mächtige Verwandte. Vater und Mutter 
der Gräfin waren schon lange tot, aber ihre Brüder, ihre 
natürlichen Beschützer, und auch ihre Schwäger nahmen 
die höchsten Stellungen ein. Es ist wahr, diese ganze 
Familie war sehr aufgebracht gegen den Grasen, und 
alle verdammten ihn heftig. Häufig während der Dauer 
dieser Ehe machten sie Anstrengungen, um den Grafen 
zu dem Versprechen zu bringen, daß er sein Betragen 
ändern wolle; mehrmals veranstalteten sie Familienrat 
und zwangen auch den Grafen, freiwillige Abmachungen 
zu unterschreiben, um das Los der Gräfin vor seinen Ver 
folgungen zu schützen. Der Graf gab jedesmal nach, 
versöhnte sich auch scheinbar und unterschrieb alles, was 
man von ihm verlangte; nach drei Tagen aber begannen 
seine Freveltaten von neuem. Freiwillige Abmachungen 
unter Eheleuten haben nach unseren Gesetzen nichts zu 
bedeuten. < 
Da der Graf'nie sein Wort als Edelmann hielt und 
seine mündlichen oder schriftlichen Versprechungen schon 
am nächsten Tage wieder brach, so blieb der Gräfin nichts 
anderes übrig, als sich ans Gericht zu wenden. 
Einmal, im Jahre 1843, veranlaßte der Fürst Hatzfeldt, 
der Bruder der Gräfin, sogar den König, zugunsten der 
Gräfin zu intervenieren. Der König befahl durch eine 
Kabinettsorder dein Grafen, sein schändliches Benehmen 
gegen die Gräfin zu ändern. Aber der Gras blieb auch 
dagegen taub, und da der König bei uns nicht die Macht 
des Aaren hat und in Privatangelegenheiten nicht ein 
greifen kann, so blieb auch dies ohne jegliche Wirkung. 
Es gab nur noch ein einziges Rettungsmittel: die Hilfe 
der Gerichte. Dieses Mittel war schon längst ins Auge
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.