Full text: Ferdinand Lassalle

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Begegnung in Berlin 
Lassalle war an diesem Abend sehr interessant. Es 
schien mir, als ob die frühere Zeit, die Zeit unserer 
Freundschaft, zurückgekehrt sei. Es war niir wieder 
leicht zumute in seiner Nähe, obschon Lässalle im all 
gemeinen in trüber Stimmung war; er sprach viel 
weniger und leiser als gewöhnlich; auch schwieg er öfters, 
nachdenkend, längere Zeit. An diesem Abend, wo fort 
während ein Schatten von wahrer Traurigkeit bei ihm 
durchblickte, ohne den geringsten theatralischen Effekt, 
zu dem er sonst häufig genug griff, schien er mir sehr 
sympathisch. Um so mehr, da er in bezug auf mich nur 
warme Freundschaft ausdrückte. Und gerade dies war 
mir am wohltuendsten. Er blieb lange bei uns sitzen 
und stand erst dann eilig auf und verabschiedete sich, 
als er merkte, daß mein Vater ermüdet war. 
Am anderen Tage um zehn Uhr morgens kann er an 
gefahren und nahm uns mit sich nach Hause. Er wohnte 
damals in einer schönen Straße, die ganz aus einer 
Reihe von Villen bestand, der Bellevuestraße. Seine 
-Wohnung war eine Mischung des verfeinertsten Kom 
forts und Dilettantismus mit strengem Gelehrtentum; 
die Verkörperung deö letzteren war sein Kabinett. Ein 
nicht großes Zimmer mit einem großen Arbeitstisch, 
bedeckt von verschiedenen Papieren und Schreibutensilien, 
alles einfach, ernst und geschmackvoll. Am Tisch ein be 
quemer Arbeitsstuhl. Alle Wände des Zimmers bis zur 
Decke waren mit Regalen bedeckt, die mit Büchern, 
teuren Folianten, altertümlichen Papyrus, Atlanten und 
dergleichen vollgepfropft waren. Hier hing auch ein nicht
	        
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