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großes schönes Porträt der Gräfin Hatzfeldt, aus ihren
Jugendjahren. Hinter diesem Kabinett befand sich ein
in orientalischem Geschmacke dekoriertes Zimmer mit
niedrigen türkischen Diwans, die mit teuren orientalischen
Seidenstoffen bedeckt waren, Etageren, Tischchen und
Taburetts mit Inkrustationen und angefüllt mit Rauch
utensilien; luxuriöse Nargilehs, teure türkische Pfeifen
rohre mit enormen Bernsteinspitzen. Aus diesem Zimmer
war ein Ausgang in einen kleinen Wintergarten, der
mit schönen Pflanzen angefüllt war. Der Salon, zu
gleich auch Speisezimmer, war mit guten Bildern und
seltenen Stichen geschmückt. Mehrere bekannte Sta
tuen in Lebensgröße, unter ihnen die sehr gut aus
geführte Kopie der Venus von Milo. Hier stand auch
ein prachtvoller Flügel. Ein nach ausländischen Be
griffen ziemlich großes Gesellschaftszimmer ging niit den
Fenstern nach der Straße und war mit den teuersten
Teppichen versehen, mit schweren samtenen Drapie
rungen, mit den luxuriösesten Möbeln, einer Menge
von großen Spiegeln, Bronzen, großen japanischen und
chinesischen Vasen. Dieses Gesellschaftszimmer gefiel nur
nicht, es war zu bunt und zu sehr auf den Effekt be
rechnet.
Lassalle nahm uns wie Verwandte auf; bald kam
sein Vater. Letzterer war eine schöne, offene Persön
lichkeit; der Typus eines sehr kräftigen und gesunden
Alten, von nicht großem Wüchse, mit ganz grauem,
dichtem Haar. Er blickte mit unbeschreiblicher Zärtlich
keit mit seinen blauen Augen auf den Sohn. Man sah
es, daß er seinen Sohn zu würdigen wußte und stolz
auf ihn war. Diese ehrliche, gute Physiognomie voll