Full text: Ferdinand Lassalle

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Lassalles Gewissensbisse 
Genf, 4. August 
Ich kann nicht anders, obgleich ich seit vierundzwanzig 
Stunden dagegen ankämpfe, aber ich muß mich aus 
weinen an der Brust meines besten und einzigen Freun 
des. Ich bin so unglücklich, daß ich weine, seit fünfzehn 
Jahren zum ersten Male! Was mich dabei noch zer 
martert, ist das Verbrechen meiner Dummheit! Wie 
konnte ich so beschränkt sein, auf HelenenS Wunsch nicht 
einzugehen, sie ihren Eltern zurückzuliefern und loyal 
um sie zu werben! Ich hätte den Besitzstand benützen 
und mit ihr entfliehen sollen! Jetzt ist das Unglück da! 
Sie ist unter vollständiger Sequestration und furcht 
barster Mißhandlung. Ich weiß noch nicht, wie ich mich 
ihrer bemächtigen werde, ob durch List, durch Gewalt. 
Alles ist mir gleich. Sie wissen nicht, was sie leidet, 
das edle Geschöpf! Ich fühle mich so steinunglücklich, 
daß ich mich autorisiert fühle, Sie zu bitten, bloß zu 
meinem Troste hierherzukommen. Sie sind ja doch die 
einzige, die es weiß, was es heißt, wenn ich Eiserner 
mich unter Tränen winde wie ein Wurm! Ob Sie mir 
werden helfen können, weiß ich nicht. Aber trösten, etwas 
beruhigen. Ich weiß zwar nicht einmal, ob Sie mich 
noch hier finden, und wenn Sie im Momente des 
Empfangs dieses Briefs abreisten. Denn alle Tage 
kann das Bild wechseln, d. h. Helene von ihrem Vater, 
wozu er Lust hat, irgendwohin geschickt werden. Aber 
das ist doch nur eine sehr entfernte Möglichkeit. Träte 
sie ein, so reise ich natürlich sofort ihr nach, aber im 
selben Augenblick telegraphiere ich Ihnen nicht nur
	        
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