Full text: Ferdinand Lassalle

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Grade! Du würdest in Verruf gebracht und entehrt 
haben alles, was Mcnschcnantlitz trägt — Lüge wäre 
jedes bessere Gefühl, und wenn Du gelogen hast, 
wenn Du fähig bist, diesen letzten Grad der Verworfen 
heit zu erreichen, so heilige Eide zu brechen und das 
treueste Herz zu zerstören — unter der Sonne gäbe es 
nichts mehr, woran irgendein Mensch noch glauben dürfte. 
Du hast mich niit deni Willen erfüllt, nach Deinem 
Besitz zu ringen; Du hast gefordert, zuerst alle kon- 
venablen Mittel zu erschöpfen, statt Dich von Wabern 
zu entführen. Du hast nur die heiligsten Eide mündlich 
und brieflich geschworen; Du hast mir noch in Deinem 
letzten Schreiben erklärt, daß Du nichts, nichts bist als 
mein liebendes Weib und keine Gewalt der Erde Dich 
abhalten soll, diesen Entschluß auszuführen. — Und 
nachdem Du dieses treue Herz, das, tvenn es sich einmal 
ergibt, sich für inimer ergeben hat, gewaltsam an Dich 
gezogen — schleuderst Du mich, nachdem der Kampf 
kaum begonnen, nach vierzehn Tagen hohnlachend in 
den Abgrund, verrätst und zerstörst mich? Ja, es wäre 
Dir gelungen, was nie einem Schicksal gelang. Du hättest 
den härtesten Mann, der alle» äußern Stürmen stand, 
ohne zu zucken, zertrümmert, zerbrochen! 
Diesen Verrat könnte ich nicht überwinden! Ich wäre 
von innen heraus getötet. Es ist nicht möglich, daß 
Du so ehrlos, so schamlos, so pflichtlos, so ganz und gar 
schändlich und unwürdig bist! Du würdest meinen furcht 
barsten Haß und die Verachtung einer Welt verdienen! 
Helene! Es ist nicht Dein Entschluß, den Du Nüstow 
mitgeteilt hast. Durch Mißbrauch guter Gefühle hat 
man ihn in Dir hervorgerufen. Du würdest ihn —
	        
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