251
Grade! Du würdest in Verruf gebracht und entehrt
haben alles, was Mcnschcnantlitz trägt — Lüge wäre
jedes bessere Gefühl, und wenn Du gelogen hast,
wenn Du fähig bist, diesen letzten Grad der Verworfen
heit zu erreichen, so heilige Eide zu brechen und das
treueste Herz zu zerstören — unter der Sonne gäbe es
nichts mehr, woran irgendein Mensch noch glauben dürfte.
Du hast mich niit deni Willen erfüllt, nach Deinem
Besitz zu ringen; Du hast gefordert, zuerst alle kon-
venablen Mittel zu erschöpfen, statt Dich von Wabern
zu entführen. Du hast nur die heiligsten Eide mündlich
und brieflich geschworen; Du hast mir noch in Deinem
letzten Schreiben erklärt, daß Du nichts, nichts bist als
mein liebendes Weib und keine Gewalt der Erde Dich
abhalten soll, diesen Entschluß auszuführen. — Und
nachdem Du dieses treue Herz, das, tvenn es sich einmal
ergibt, sich für inimer ergeben hat, gewaltsam an Dich
gezogen — schleuderst Du mich, nachdem der Kampf
kaum begonnen, nach vierzehn Tagen hohnlachend in
den Abgrund, verrätst und zerstörst mich? Ja, es wäre
Dir gelungen, was nie einem Schicksal gelang. Du hättest
den härtesten Mann, der alle» äußern Stürmen stand,
ohne zu zucken, zertrümmert, zerbrochen!
Diesen Verrat könnte ich nicht überwinden! Ich wäre
von innen heraus getötet. Es ist nicht möglich, daß
Du so ehrlos, so schamlos, so pflichtlos, so ganz und gar
schändlich und unwürdig bist! Du würdest meinen furcht
barsten Haß und die Verachtung einer Welt verdienen!
Helene! Es ist nicht Dein Entschluß, den Du Nüstow
mitgeteilt hast. Durch Mißbrauch guter Gefühle hat
man ihn in Dir hervorgerufen. Du würdest ihn —