Full text : Ferdinand Lassalle

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zuwandte.  Nun  war  sie  gegen  mich  erbittert,  da  sie
sich  von  der  Richtigkeit  meiner  Vorwürfe  getroffen
fühlte.  Schnell  also  ergriff  sie  diesen  Vorwand  und,
ihre  Verstellungskunst  zu  Hilfe  nehmend,  begann  sie  ein
heftiges  Geschrei,  preßte  Tränen  auS  den  Augen  und
rief:  „Wie,  du  wagst  es,  niich,  deine  Schwester,  schlagen
zu  wollen?"  Bei  diesen  Worten  drang  sie  auf  mich  ein
und  schlug  nach  mir.  Ich  wollte  den  Schlag  erwidern,
aber  meine  Mutter  verhinderte  mich  daran.  Meine
Schwester  jedoch  lief  in  die  Vorstube,  warf  sich  auf
einen  Stuhl  und  schrie  und  weinte,  als  hätte  ich  sie
massakriert.  Da  erfaßte  mich  namenlose  Wut.  Ich  sah,
worauf  alles  berechnet  war.  Der  Vater  nmßte,  da  es
Essenszeit  war,  bald  heraufkommen.  Er  hätte,  wenn
er  sie  so  gefunden,  bald  auf  die  Mutter  gedacht,  und  es
wäre  eine  zweite  Szene  geworden,  in  deren  Nachspiel
ich  wohl  eine  bedeutende  Rolle  hätte  spielen  können.
Ich  sah  schon  meinen  geliebten  Vater  bleich  und  verstört
ohne  Mittagessen  zur  Stube  hinausschreiten,  meine  geliebte, ­
  seit  einiger  Zeit  so  unterdrückte  Mutter  weinend.
In  einem  Augenblick  überdachte  ich  alles.  Rasend
stürzte  ich  in  die  Stube,  wo  meine  Schwester  war.  Bang
eilte  meine  Mutter  mir  nach.  Schäumend  vor  Wut
warf  ich  mich  auf  die  Knie,  rang  wie  wahnsinnig  meine
Hände  und  schrie  mit  einem  solchen  Aufwand  von  Kraft,
daß  meine  Stimme  sogleich  heiser  wurde:  „Gott,  Gott,
gib,  daß  ich  gedenke,  gib,  daß  ich  nie  .  .  .  nie  dieser
Stunde  vergesse...  Ha,  Schlange  mit  deinen  Krokodilstränen ­
  ...  das,  diese  Stunde  sollst  du  bereuen  ...  Bei
Gott,  bei  Gott,  bei  Gott,  ich  beschwöre  es!  Und  leb'
ich  fünfzig  und  leb'  ich  hundert  Jahre  ...  ich  will  sie
            
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