Am 25. August war Lassalle in Genf. Noch einmal versuchte
Lassalle, gestützt auf die Hilfe des bayerischen Ministers des Aus
wärtigen, bei Herrn von DoennigeS eine Unterredung zu erlangen.
Die Unterredung kam zustande und dauerte viele Stunden. Lassalle
forderte die Entfernung des Herrn von Racowiha aus HelenenS
Nähe. DaS Verlangen war damals schon aussichtslos. Schließlich
wiederholte Lassalle das Verlangen nach einer Erklärung, die
Helene vor einem Notar abgeben sollte. Doch vorher erschien sie
vor LassakleS herbeigeholtem Anwalt vr. Haenle und vor Oberst
Rüstow „vollkommen unbefangen, in konventioneller Heiterkeit,
ohne die Spur eines übcrstandenen Seelenkamvfes", wie der
Anwalt feststellte. Dieser Eindruck wurde Lassalle übermittelt.
Cr lief „wie ein Tiger" im Zimmer auf und ab und schrieb am
selben Tag diese zwei Schicksalsbriefe:
Lassalles Provokation
Genf, 26. August
Herrn von Doenniges Hochwohlgeboren.
Nachdem ich durch den Bericht des Oberst Rüstow
und des l)r. Haenle vernommen habe, daß Ihre Tochter
Helene eine verworfene Dirne ist und es folgeweise
nicht länger meine Absicht sein kann, mich durch eine
Heirat mit ihr zu entehren, habe ich keinen Grund mehr,
die Forderung der Satisfaktion für die verschiedenen
mir von Ihnen widerfahrenen Avanien und Beleidi
gungen länger zu verschieben und fordere Sie daher
auf, mit den beiden Freunden, die Ihnen diese Er
klärung überbringen, die erforderlichen Verabredungen
zu treffen.
F. Lassalle
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