Full text: Ferdinand Lassalle

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Selbst seinem besten Freunde gegenüber besitzt der 
Mensch kleine Eitelkeiten. Ich schämte mich, meinem 
Freunde W. zu gestehen: ich fühle das Bedürfnis, mich 
anständig zu kleiden, so gut wie er, und nur die Grille 
meines Vaters sei es, die mich zwinge, wie einen Gott 
auch nur einen und noch dazu sehr schlechten Rock zu 
haben. 
Ich machte es also wie der Fuchs mit den 
Trauben. Ich tat, als läge mir an Kleidung nicht das 
geringste, und erheuchelte mir auf diese Weise einen 
Zynismus, der meiner Seele nur allzu fremd ist. Ich 
bin kein Geck, kein Modenarr, werde mich aber dereinst 
stets auf das sorgfältigste kleiden. Kleider machen 
Leute, ist einmal die Meinung des neunzehnten Jahr 
hunderts. Und es ist töricht, wenn ein Mensch, der 
von den Menschen abhängt und von ihnen leben will, 
die Urteile und sogar die Vorurteile der Welt verhöhnt. 
Verachten mag er sie, bespötteln im Innersten seines 
Herzens, aber ihnen offen Trotz bieten — nein, bei 
Gott nicht! Dann ist er ein Tor. 
Es gewährt gewiß jedem einiges Vergnügen, wenn 
er sich fein gekleidet im Spiegel betrachtet. Wer sich 
aber um deswegen elegant kleidet/um sich im Spiegel 
zu gefallen, ist ein Narr und ein^Geck. Anderen soll 
meine Kleidung gefallen. Ich kleide mich schön um 
anderer willen. Und mein Vater hat unrecht, wenn er 
mir darin wehrt. Übrigens ist meine Garderobe so 
miserabel, daß selbst Frau Direktor mir mehrmals gesagt 
hat: „Wirklich, Lassal, wenn Ihnen nicht alles so nobel 
stände, sähen Sie aus wie ein Lump."
	        
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