Full text: Ferdinand Lassalle

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In seinen „Erinnerungen" (Cotta, 1917) zeichnet Paul Lindau 
den Lassalle dieser letzten Jahre. 
Lassalles Lebensgewohnheiten 
Gleich unsere erste Begegnung war sehr gemütlich. 
Er hatte von der Berwechslungsszene schon gehört, und 
sie hatte ihm großen Spaß gemacht. Mit einer Wärme, 
die mich überraschte, dankte er mir dafür, daß ich ihm 
bei seiner ersten Rheinreise nicht mit gehässigen und 
hämischen Bemerkungen, die er bei einer liberalen Zei 
tung als selbstverständlich vorausgesetzt hatte, sondern 
sogar mit unverhohlener Sympathie begegnet war. Wir 
legten den Heimweg zu Fuß zurück. Wir sprachen über 
alles mögliche, und unsere Unterhaltung hatte noch lange 
kein Ende gefunden, als wir vor seinem Hotel am Karls 
platz angekommen waren. Wir umschritten das Quadrat 
des Platzes in lebhaftem Zwiegespräch wohl vier-, fünf 
mal; das heißt: die Lebhaftigkeit war ganz auf seiner 
Seite und das Gespräch auch. Es war eigentlich ein 
Monolog: Lassalle sprach fast allein. Ich brauchte bloß 
ab und zu ein Stichwort hinzuwerfen, um ihn sogleich 
zu einem längeren, immer sehr interessanten und wohl 
gefügten Vortrage zu veranlassen. Seine Gebärden 
hatten etwas von südlicher Lebhaftigkeit. Er blieb oft 
stehen und wechselte in seiner Rede öfter die Tonlage. 
Er fing die Sätze in hoher Lage an und senkte die Stimme 
gegen den Schluß zu wohltönendem Bariton. Man 
hörte ihm an, daß er sich für den öffentlichen Vortrag 
trainiert hatte. Er sprach sehr scharf und bemühte sich 
sichtlich, wenn auch nicht immer mit vollem Erfolg,
	        
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