114
VII. Die Gemeinde und der Kultus.
Handarbeiter oder Boten zu nehmen, andere aber rieten, sie sollten
sich bei den Laien gegenseitig der höchsten menschlichen Vollkommen
heit rühmen. Das taten sie. Sie sagten voneinander: „Dieser
Mönch befindet sich auf der ersten, dieser auf der zweiten, dieser
auf der dritten, dieser auf der vierten Stufe der Versenkung; dieser
Mönch ist ein Srotaäpanna, dieser ein Sakfdägämin, dieser ein
Anägamin, dieser ein Arhat; dieser Mönch besitzt das dreifache
Wissens, dieser die sechs übernatürlichen Fähigkeiten."^) Die
Laien waren darüber sehr erfreut und sagten: „Das haben wir
gut getroffen, sehr gut getroffen, daß solche Mönche bei uns die
Regenzeit zubringen. Früher haben nie solche Mönche bei uns die
Regenzeit zugebracht, wie diese frommen trefflichen Männer." Sie
gaben den Mönchen bessere Speise und besseren Trank als sie selbst
genossen und ihren Eltern, Frauen und Kindern, Dienstboten,
Freunden und Verwandten gaben. Am Ende der Regenzeit waren
die Mönche daher: „rosig, wohlgenährt, von frischer Farbe des
Gesichts und der Haut." Als sie nach VaiMi zu Buddha kamen,
stachen sie von den andern Mönchen, die infolge der schlechten Zeit
mager und abgehungert aussahen, sehr ab. Sie mußten ihren Kniff
angeben, worauf Buddha das Verbot erließ.
Im Lamaismus wird das Hilfsmittel, sich für besonders gott
begnadigt auszugeben, zur Vermehrung der Einkünfte maßlos aus
gebeutet. Die Lamen sind nicht bloß die Vermittler zwischen den
Göttern und Menschen, sondern sie sind auch Wahrsager, Ärzte
und vor allem Teufelaustreiber. Der Buddhismus hat ja, wie
erwähnt, in seiner letzten Phase den Geisterglauben aus dem
Öivaismus übernommen, und das lamaistische Pantheon weist Teufel
in gewaltiger Fülle und in abschreckendster Gestalt auf. Sie sind
für die Lamen eine unerschöpfliche Goldgrube. Jedes Unglück in
und außer dem Hause wird einem Teufel zugeschrieben, und nur
der Lama kann aus seinen Büchern feststellen, welcher Teufel ge
rade schuld ist, und nur er hat die Macht, ihn zu bannen. Das
kostet aber viel Mühe und dementsprechend Geld. Die Lamen
1) Unter dreifachem Wissen sind hier verstanden die Erinnerung an
die früheren Geburten, die Kenntnis, wie die Wesen aus einer Existenz
in eine andere geraten sind, und die Kenntnis vom Untergang der
Lüste.
2) Die sechs übernatürlichen Fähigkeiten sind: Die Kunst, Wunder
zu wirken, das göttliche Ohr, Kenntnis der Gedanken anderer, Kenntnis
der früheren Geburten, das göttliche Auge, die Kenntnis vom Unter
gang der Lüste.