Full text : Leben und Lehre des Buddha

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VII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

Handarbeiter  oder  Boten  zu  nehmen,  andere  aber  rieten,  sie  sollten
sich  bei  den  Laien  gegenseitig  der  höchsten  menschlichen  Vollkommenheit ­
  rühmen.  Das  taten  sie.  Sie  sagten  voneinander:  „Dieser
Mönch  befindet  sich  auf  der  ersten,  dieser  auf  der  zweiten,  dieser
auf  der  dritten,  dieser  auf  der  vierten  Stufe  der  Versenkung;  dieser
Mönch  ist  ein  Srotaäpanna,  dieser  ein  Sakfdägämin,  dieser  ein
Anägamin,  dieser  ein  Arhat;  dieser  Mönch  besitzt  das  dreifache
Wissens,  dieser  die  sechs  übernatürlichen  Fähigkeiten."^)  Die
Laien  waren  darüber  sehr  erfreut  und  sagten:  „Das  haben  wir
gut  getroffen,  sehr  gut  getroffen,  daß  solche  Mönche  bei  uns  die
Regenzeit  zubringen.  Früher  haben  nie  solche  Mönche  bei  uns  die
Regenzeit  zugebracht,  wie  diese  frommen  trefflichen  Männer."  Sie
gaben  den  Mönchen  bessere  Speise  und  besseren  Trank  als  sie  selbst
genossen  und  ihren  Eltern,  Frauen  und  Kindern,  Dienstboten,
Freunden  und  Verwandten  gaben.  Am  Ende  der  Regenzeit  waren
die  Mönche  daher:  „rosig,  wohlgenährt,  von  frischer  Farbe  des
Gesichts  und  der  Haut."  Als  sie  nach  VaiMi  zu  Buddha  kamen,
stachen  sie  von  den  andern  Mönchen,  die  infolge  der  schlechten  Zeit
mager  und  abgehungert  aussahen,  sehr  ab.  Sie  mußten  ihren  Kniff
angeben,  worauf  Buddha  das  Verbot  erließ.
Im  Lamaismus  wird  das  Hilfsmittel,  sich  für  besonders  gottbegnadigt ­
  auszugeben,  zur  Vermehrung  der  Einkünfte  maßlos  ausgebeutet. ­
  Die  Lamen  sind  nicht  bloß  die  Vermittler  zwischen  den
Göttern  und  Menschen,  sondern  sie  sind  auch  Wahrsager,  Ärzte
und  vor  allem  Teufelaustreiber.  Der  Buddhismus  hat  ja,  wie
erwähnt,  in  seiner  letzten  Phase  den  Geisterglauben  aus  dem
Öivaismus  übernommen,  und  das  lamaistische  Pantheon  weist  Teufel
in  gewaltiger  Fülle  und  in  abschreckendster  Gestalt  auf.  Sie  sind
für  die  Lamen  eine  unerschöpfliche  Goldgrube.  Jedes  Unglück  in
und  außer  dem  Hause  wird  einem  Teufel  zugeschrieben,  und  nur
der  Lama  kann  aus  seinen  Büchern  feststellen,  welcher  Teufel  gerade ­
  schuld  ist,  und  nur  er  hat  die  Macht,  ihn  zu  bannen.  Das
kostet  aber  viel  Mühe  und  dementsprechend  Geld.  Die  Lamen
1)  Unter  dreifachem  Wissen  sind  hier  verstanden  die  Erinnerung  an
die  früheren  Geburten,  die  Kenntnis,  wie  die  Wesen  aus  einer  Existenz
in  eine  andere  geraten  sind,  und  die  Kenntnis  vom  Untergang  der
Lüste.
2)  Die  sechs  übernatürlichen  Fähigkeiten  sind:  Die  Kunst,  Wunder
zu  wirken,  das  göttliche  Ohr,  Kenntnis  der  Gedanken  anderer,  Kenntnis
der  früheren  Geburten,  das  göttliche  Auge,  die  Kenntnis  vom  Untergang ­
  der  Lüste.
            
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