Full text: Leben und Lehre des Buddha

Die Lebensbedingungen. 
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oder nicht". Dieser Zweifel wurde auch ausgesprochen in den 
Kreisen der Priester selbst. Am Schluffe eines berühmten Dia 
loges sagt der eigentliche Schöpfer des Brahma 
nismus und einer der bedeutendsten Männer des alten Indiens, 
zu seiner Frau: „Nach dem Tode gibt es kein Bewußtsein". Und 
noch schärfer äußert er sich gegen seine Mitpriester: „Wohl wächst 
ein abgehauener Baum aus der Wurzel wieder neu hervor; aus 
welcher Wurzel sollte aber ein vom Tode abgehauener Mensch 
hervorwachsen? Saget nicht „aus dem Samen", da dieser sich nur 
bei einem Lebenden erzeugt. Wer einmal gestorben ist, wird nicht 
wieder geboren". Damit im Widerspruch steht eine Lehre, die 
in Indien uralt ist, ihre Ausbildung aber wohl erst in der Zeit 
vom 8. Jahrhundert vor Chr. an erfahren hat, die Lehre von 
der Seelenwanderung. Sie besagt, daß der Mensch sofort nach 
seinem Tode wiedergeboren wird. Von seinen Taten in dieser 
Welt, seinem Larinan, hängt es ab, was aus ihm nach dem 
Tode wird: „Wie er gehandelt, wie er gewandelt, so wird er. 
Wer Gutes getan, wird zum guten Wesen, wer Böses getan, zum 
bösen". Der Tod bringt keine Erlösung. Leben ist Leiden. Diese 
Wahrheit hat die brahmanische Philosophie schon lange vor Buddha 
ausgesprochen. Die Begriffe des Leidens und der Erlösung vom 
Leiden geben der gesamten orthodoxen Philosophie der Inder ihr 
Gepräge. Die Furcht vor der Wiedergeburt durchzieht das ganze 
Denken dieser Zeit, und ihr ein Ende zu setzen, ist das Ziel, wo 
nach der grübelnde Verstand strebt. Man schlug zwei Wege ein. 
Einmal nahm man seine Zuflucht zu bestimmten Gebräuchen, die 
mit Beschwörungen und Zaubereien verknüpft und auf die große 
Menge berechnet waren. Der zweite Weg war der der Spe 
kulation. Bereits im Lgvsäa finden sich Lieder, die zeigen, daß 
der Glaube an die alten Götter mil Inära, dem Feinde der Dä 
monen, an der Spitze, ins Schwanken geraten war. An die Stelle 
der Vielheit der Götter suchte das grübelnde Denken einen Gott 
zu setzen, und der ßgveda hat schon einige Lieder, die ganz mono 
theistisch gehalten sind. Aber der eine Gott führt hier noch Namen, 
die ihn als einen persönlichen Gott kennzeichnen: krag'axati, 
„Herr der Geschöpfe", oder ViävaLariuan, „Allschöpfer". Die 
spätere Zeit geht noch weiter. Sie setzt an die Stelle der vielen 
Götter einen unpersönlichen Gott, den sie Ltman, „Selbst", „Ich" 
oder Brahman nennt, ein Wort, das ursprünglich den Zauber 
spruch bedeutet, mit dem man glaubte, selbst die Götter zwingen
	        
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