Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

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Der Mangel an freiem Boden zwingt den Jäger oder den 
Hirten, zum Ackerbau überzugehen. So wird es für die Jäger 
oder Hirtenbevölkerung schon zu dieser Zeit klar, daß ihre 
Arbeitsproduktivität von dem Umfang ihres Landes abhängt, oder 
daß die Arbeit umso produktiver ist, je umfang 
reicher die der Bevölkerung zur Verfügung stehende Fläche und 
folglich je extensiver der Betrieb ist. Dank diesem 
Umstande strebt die Bevölkerung schon auf den ersten Stufen 
ihrer Entwicklung danach, möglichst viel Land für sich zu mono 
polisieren und allein auszubeuten. Daraus ergibt sich auch eine 
gewisse Art des „Patriotismus“, der sich in dem Bestreben 
äußert. Fremde von der Nutzung des Territoriums auszu 
schließen. Die Keime dieses „Patriotismus“ finden sich auch schon 
bei gewissen Tieren, die ebenfalls Tiere anderer Arten auf ihrem 
Gebiete nicht dulden wollen. 
Wenn es mit der Zunahme der Bevölkerung notwendig wird, 
möglichst viele Produkte aus demselben Boden zu erhalten, ge 
winnt auch die Besitzergreifung von großen Landstrecken eine 
immer größere Bedeutung. Solange der Grund und Boden der 
Gemeinde gehört, ist für jedes Gemeindemitglied klar, daß der 
Boden nur eine Bedingung für die menschliche Tätigkeit bildet, 
daß alle notwendigen Produkte nur durch die Arbeit erhalten 
werden. Geht aber der Grund und Boden in den Privatbesitz 
einzelner über, die für seine Benutzung durch andere einen Tribut 
erhalten, so wird es diesen Grundeigentümern scheinen, als sei es 
der Boden, der die Produkte erzeugt und sie ihnen liefert, da sie 
diese Produkte aus ihrem Besitze ohne jede Mühe erhalten. In 
der Tat verdankt der Grundeigentümer seinen Teil an den Boden 
erzeugnissen nicht seiner Arbeit, sondern der Tatsache seines 
Besitzes, sowie dem Umstande, daß die zusätzliche Arbeit 
weniger produktiv ist. Weil die zusätzliche Produktion mehr 
Arbeit kostet, strebt die Bevölkerung danach, eine immer größere 
Bodenfläche auszunutzen, und zahlt dem Grundbesitzer dafür 
einen Teil ihrer Produkte. Wären aber die weiteren Arbeitsauf 
wände nicht weniger produktiv als die ersten, so würde die Be-
	        
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