Full text : Leben und Lehre des Buddha

Der  ewige  Wechsel.

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möge.  „Wenn  zum  Beispiel,  o  Großkönig,  ein  Mann  eine  Lampe
anzündete,  würde  diese  die  ganze  Nacht  brennen?"  „Ja,  Herr,
sie  könnte  die  ganze  Nacht  brennen."  „Ist,  o  Großkönig,  die  Flamme
in  der  ersten  Nachtwache  dieselbe  wie  in  der  zweiten?"  „Nein,
Herr."  „Ist  die  Flamme  in  der  zweiten  Nachtwache  dieselbe  wie
in  der  dritten?"  „Nein,  Herr."  „War  also,  o  Großkönig,  die
Lampe  in  der  ersten  Nachtwache  eine  andere  als  die  in  der  zweiten,
und  diese  wieder  eine  andere  als  die  Lampe  in  der  dritten?"  „Nein,
Herr;  das  Licht  kam  während  der  ganzen  Nacht  von  derselben
Lampe."  „Ebenso,  o  Großkönig,  folgen  auch  die  Elemente  der  Daseinsformen ­
  aufeinander.  Das  eine  entsteht,  das  andere  vergeht;
ohne  Anfang  und  Ende  folgen  sie  unmittelbar  aufeinander.  Weder
als  derselbe  noch  als  ein  anderer  kommt  man  zur  letzen  Zusammenfassung ­
  des  Visnäna."  Die  Person  bleibt  also  dieselbe,  nur  die
Elemente,  aus  denen  sie  zusammengesetzt  ist,  wechseln  beständig.
Jeder  hat  also  auch  die  Folgen  seiner  Taten  in  dieser  Geburt  in
der  nächsten  zu  tragen.
Wie  mit  dem  Körper,  ist  es  auch  mit  der  Seele.  Buddha  leugnet ­
  die  Existenz  einer  Seele  durchaus  nicht.  Was  er  leugnet,  ist
nur,  daß  es  eine  ewige,  unwandelbare  Seele  gibt,  die  etwas  vom
Körper  durchaus  Verschiedenes  und  Getrenntes  ist.  Auch  die  Seele
ist  nur  eine  Masse  von  ewig  wechselnden  Einzelelemcnten.  Die
Buddhisten  treten  daher  auch  den  Materialisten  gegenüber,  die
behaupten,  es  gäbe  keine  Seele.
Um  dieses  ewig  sick  Wandelnde  und  Wechselnde  darzustellen,  wählt
Buddha  mit  Vorliebe  das  Bild  des  Stromes,  wie  Heraklit,  oder
noch  häufiger  das  Bild  der  Flamme.  So  schon  in  der  Bergpredigt  von
Gayaäirsa  (oben  S.  30  s.)  Als  Kisägotami  Nonne  geworden  war,
zündete  sie  einst  im  Kloster  eine  Lampe  au,  und  als  sie  die  Flammen
der  Lampe  vergehen  und  wieder  erstehen  sah,  sprach  sie:  „Ebenso
erstehen  und  vergehen  auch  die  lebenden  Wesen;  die,  welche  das
Nirväna  erreicht  haben,  werden  nicht  wiedergesehen."  Buddha  erschien ­
  ihr  und  bestätigte  ihr  dies  mit  denselben  Worten.  In  den
Iberigätbäs  erzählt  die  Nonne  Uatäoärä,  wie  sie  zur  Erlösung  gelangt ­
  ist.  Zum  Schlüsse  sagt  sie:  „Dann  nahm  ich  eine  Lampe,
ging  in  das  Kloster,  sah  mein  Lager  und  legte  mich  auf  das  Bett.
Ich  nahm  eine  Nadel  und  zog  damit  den  Docht  heraus.  Da  kam
mir  Befreiung  des  Geistes,  wie  das  Erlöschen  der  Lampe."  Die
Worte:  „wie  das  Erlöschen  der  Lampe"  lauten  im  Original  in
Pali:  padlpasseva  nibbänam.  Das  Wort  nibbäna,  besser
            
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