Full text : Leben und Lehre des Buddha

Das  Parinirväna.

75

schildern.  Ausdrücke,  wie  die  eben  angeführten,  konnten  sehr  wohl
zu  der  Vorstellung  von  einem  Paradiese  führen,  und  das  ist  in
der  Tat  im  nördlichen  Buddhismus  geschehen.
Buddha  selbst  aber  hat  zweifellos  so  sein  Mrväna  nicht  verstanden. ­
  Für  ihn  war  es  das  völlige  Erlöschen  nach  dem  Tode,
das  Ende  der  Wiedergeburten.  Und  auch  hier  wieder  ist  Buddha
kein  Neuerer  und  Entdecker  gewesen.  Name  und  Ziel  finden  sich
ganz  gleich  nicht  nur  bei  den  Brahmanen,  sondern  auch  bei  den
Jainas  und  anderen  Sekten.  Als  philosophisches  System  steht  der
Buddhismus,  wie  schon  erwähnt,  nicht  hoch.  Er  ist  ganz  abhängig
vom  Sämkhya-Yoga  und  wurzelt  durchaus  in  rein  indischem  Boden.
Wollte  aber  Buddha  überhaupt  darauf  rechnen,  Jünger  zu  finden,
so  konnte  er  eine  philosophische  Begründung  nicht  entbehren.  Der
Gelehrte  galt  in  Indien  von  ältester  Zeit  an  nichts,  wenn  er  nicht
disputieren  konnte,  und  Buddha  hat  in  seinem  langen  Leben  sich
oft  mit  streitlustigen  Priestern  aller  Sekten  in  einen  Redewettkampf
eingelassen.  Nirgendwo  war  es  leichter,  ein  neues  philosophisches
System  zu  gründen,  als  in  Indien.  Schon  geringe  Abweichung
von  einem  älteren,  bestehenden  Systeme  genügte,  um  als  Gründer
eines  neuen  zu  erscheinen.  So  war  es  nicht  bloß  in  der  Philosophie, ­
  sondern  auch  in  der  Grammatik,  Rhetorik,  Medizin.  Aber
Buddha  war  das  System  nicht  Selbstzweck,  sondern  nur  Mittel
zum  Zweck,  wie  schon  hervorgehoben  (S.  50  f.).  Dem  Volke  gegenüber ­
  war  jedes  System  zwecklos,  und  ans  Volk  wandte  sich  Buddha.
Waren  die  drei  ersten  edlen  Wahrheiten  sein  philosophisches  Bekenntnis, ­
  so  ist  die  vierte,  der  Weg,  der  zur  Aufhebung  des  Leidens
führt,  sein  religiöses.  Die  vierte  Wahrheit  umfaßt  die  Ethik  des
Buddhismus.  Sie  ist  es,  die  tief  ins  tägliche  Leben  einschneidet,
und  in  der  Buddhas  Größe  in  Hellem  Lichte  erscheint.  Durch  sie
allein  wird  der  Buddhismus  zu  einer  Religion.
Die  Predigt  von  Benares  sagt  darüber:  „Dies,  ihr  Mönche,
ist  die  edle  Wahrheit  von  dem  Wege,  der  zur  Aufhebung  des  Leidens
führt.  Es  ist  dieser  edle,  achtgliedrige  Weg,  nämlich:  rechter  Glaube,
rechtes  Sichentschließen,  rechtes  Wort,  rechte  Tat,  rechtes  Leben,
rechtes  Sichbemühen,  rechtes  Gedenken,  rechtes  Sichversenken."
An  der  Spitze  steht  also  der  rechte  Glaube,  und  das  ist  ja  selbst--verständlich.
  Der  Lohn,  den  Buddha  verheißt,  wird  nur  dem  Gläubigen ­
  zuteil,  in  erster  Linie  dem  Mönche,  der  sich  von  dieser  Welt
losgesagt  hat.  Aber  auch  der  Laie  soll  danach  streben.  Die  Vorschriften ­
  für  den  Laien  sind  natürlich  wesentlich  andere  als  für  den
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.