Die Wohnungsfrage.
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Bürger aller Stände und Parteien teil. Auch sah man —
rari nantes in gurgite vasto — einige Stadtverordnete. Der
Vorsitzende eröffnete die Versammlung und erteilte alsbald
Herrn Dr. Wehberg das Wort zu einem Vortrage, in welchem
derselbe an der Hand eines überaus reichhaltigen und sorg
fältig gesichteten statistischen Materials die Wohnungsfrage
von sozialen und hygienischen Gesichtspunkten in meisterhafter
Form besprach. Mit lebhaftestem Beifall wurden insbesondere
diejenigen Ausführungen des Redners aufgenommen, in denen
er dem reaktionären Geiste, der im Düsseldorfer Rathaussaale
über den Verhandlungen betreffend die Wohnungsfrage ge
schwebt hat, die gebührende Heim! euch tu ng angedeihen ließ.
Als erster Redner in der Disputation begründete Herr Hartmann
in treffenden Worten die nachstehende Resolution:
„Die heutige Versammlung, welche von Bürgern aller
Stände zahlreich besucht ist, erklärt nach Anhörung eines
Vortrages des Herrn Dr. Wehberg, mit dessen Ausführungen
sie sich einverstanden erklärt, daß die Stiftung des ver
storbenen Landgerichtsrats Aders, die zum Bau von Arbeiter
wohnungen bestimmt ist, bei einer den sozialen und hygie
nischen Anforderungen entsprechenden Ausführung geeignet
gewesen wäre, die Wohnungsverhältnisse der arbeitenden
Klassen wesentlich zu verbessern. Sie erklärt indessen,
daß die bisherigen Maßnahmen des Kuratoriums der Aders
stiftung diesen Anforderungen in keiner Weise entsprechen.
Indem die Versammlung hierüber ihr lebhaftes Bedauern
ausspricht, fordert dieselbe, daß bei Ausführung der Stiftung
1. alle Ankäufe von Grundstücken zu Spekulationspreisen
und dadurch herbeigeführte Bereicherungen einzelner
Grundbesitzer vermieden werden, vielmehr
2. alle verfügbaren Mittel möglichst zur Förderung der
Arbeit, durch Häuserbau, Beschaffung von Arbeitsgelegen
heit und Verminderung der Arbeitslosigkeit verwendet
werden;
3. die Ausführung von Bauten für die Adersstiftung nach
dem Grundsätze des „gemeinnützigen“ Baues geschehe,
daß also die Bauten nicht einem einzelnen Unternehmer,
wie hier dem Schwiegersöhne eines Stadtverordneten,
unbesehen übertragen, sondern in engerer Submission
zwischen soliden und tüchtigen Baumeistern vergeben
werden.
Endlich erklärt die Versammlung, daß hauptsächlich die
ungeeignete Zusammensetzung des Kuratoi'iums die Ursache
der getroffenen unzweckmäßigen Maßnahmen ist und zwar
deshalb, weil die Verwaltung einer Stiftung, die dem Inter
esse der Wohnungsmieter dienen soll, ausschließlich in die