Full text: Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

" Kap. II. Die Tauschwirtschaft. 
wachsende Kapitalbildung ist also eine notwendige Voraussetzung eines 
gleichmäßigen Fortschritts. Weiter ist E =05K- 
Wir können nun auch den Spargrad 1/s, also die relative Sparsam- 
keit der Bevölkerung, als konstant annehmen. Da die Sparsamkeit 
eben das für den Fortschritt entscheidende Moment ist, so ist diese 
Voraussetzung für die gleichmäßig fortschreitende Wirtschaft natürlich. 
Das Gesamteinkommen E steht dann in unveränderlichem Verhältnis 
zum Gesamtkapital K. Die praktische Notwendigkeit unserer Voraus- 
setzung leuchtet ein, wenn man bedenkt, daß im entgegengesetzten Fall 
ein abnorm langsamer Zuwachs des Einkommens durch einen abnorm 
starken Spargrad ausgeglichen werden müßte, damit die absolute 
Kapitalbildung die eben bezeichnete normale Entwicklung zeigen 
könnte. Eine solche Voraussetzung würde aber jeder Erfahrung wider- 
sprechen und ist praktisch ausgeschlossen. 
Wir kommen also zu dem Ergebnis, daß in der gleichmäßig fort- 
schreitenden Tauschwirtschaft sowohl das Einkommen wie seine 
beiden Teile, der Verbrauch und die Kapitalbildung, mit 
demselben Prozentsatz wie das Kapital wachsen. 
Annähernd ist wohl dieser Satz für jede Wirtschaft unter normalen 
Verhältnissen richtig. Nur für Übergangsperioden dürfte ein beträcht- 
licher Unterschied im Wachstumstempo für das Kapital und das Ein- 
kommen vorhanden sein. Dieses Ergebnis ist insofern wichtig, als es 
einen Anhaltepunkt für die kritische Beurteilung statistischer Daten 
über das Wachstum von Einkommen und Kapital bietet. Wir finden 
auch, daß man das Einkommen der gleichmäßig fortschreitenden Tausch- 
wirtschaft dadurch berechnen kann, daß man das Kapital mit dem 
Produkt des Fortschrittsprozents und des reziproken Werts des Spar- 
grads multipliziert. Dieser Zusammenhang sollte bei statistischen 
Berechnungen und Schätzungen nicht außer acht gelassen werden, 
Für jede sozialpolitische Betrachtung des Fortschrittsproblems ist es 
natürlich von grundlegender Bedeutung zu erkennen, daß der Verbrauch 
im großen nicht schneller wachsen kann als das Kapital. Mit dieser 
Erkenntnis sollten viele schiefe Urteile und unnötige Streitigkeiten ver- 
mieden werden können. 
Nehmen wir z. B. an, das Fortschrittsprozent sei gleich 3, daß also 
das Kapital K jährlich mit dem Betrag 0,03 K wächst, und setzen wir 
ferner voraus, daß 1/, des Jahreseinkommens immer gespart wird, so 
ist nach dem Gesagten das Einkommen gleich 15% des Kapitals. Diese 
Ziffern dürften für Schweden ungefähr das Richtige treffen, wo Volks- 
vermögen und Volkseinkommen 1908 auf rund 14000 und 2100 Millionen 
Kronen geschätzt werden können. Eine offizielle Kommission für die 
Landesverteidigung hat in der Tat das jährliche Zuwachsprozent des 
Volksvermögens in der Periode 1885—1908 auf 3,18% berechnet. 
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