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VII. Reichtum und sein Gebrauch.
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nicht an eine Belohnung durch Reichtum oder Ruhm, denn sie
haben gelernt und wissen vollauf, daß die Tugend ihre beste und
sicherste Belohnung in sich selbst trägt, und daß für den, der
sich dieses Lohnes erfreut, kein anderer Lohn mehr erstrebenswert
erscheint. So finden sich sogar Reichtum und Ruhm entthront;
an ihrer Statt herrscht das Höchste von allem — Zufriedenheit
mit Dir selbst, entspringend aus treuer Erfüllung der Pflicht, wie
Du sie erkannt, ohne Furcht für die Folgen, unbekümmert um
Belohnung.
Ganz gleich 1 , welchem Zweige menschlicher Tätigkeit Geschmack
und Urteil sich' zuwendet: die Hauptsache bleibt, sich überhaupt
einem Berufe zuzuwenden. Erfüllen Sie dann darin Ihre Schuldig
keit und — was besonders wichtig ist — noch ein bißchen mehr.
Wir haben das Zeugnis eines großen Dichters dafür, daß der
Mann, welcher das in seinen Kräften stehende Beste tut, zeitweise
auch noch mehr zu leisten vermag. Vor allem erhalten Sie sich'
Ihre Selbstachtung; sie ist das kostbarste Juwel und der einzig
wahre Weg, die Achtung anderer zu erwerben; und erinnern Sie
sich dabei der für immer wahren Worte Emersons: „Kein junger
Mann kann um eine ehrenhafte Laufbahn im Leben betrogen
werden, der sich' nicht selbst darum betrügt.“