Die Bodenreform im Lichte des Freihandels.
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Nutzwerte des Bodens beachtet und der Bauer, welcher
günstigeren Boden bebaute, höhere Abgaben dafür zu zahlen
hatte, war natürlich. Aber im großen und ganzen kann
man sagen, daß der Bezug dieser Grundrente in jenen
Zeiten, wenn auch durch die Hand der Lehnsherren, der
Allgemeinheit zu Gute kam.
Als im späteren Mittelalter das Ansehen der kaiserlichen
Macht sank, der Adel mit den Städten in blutigen Fehden
rang, wurde auch das Lehnrecht zu einer schalen Form
ohne lebenskräftigen Gehalt. Nicht allein, daß der Bauer
der Prügelknabe beider Lager wurde, die Ausbeutung der
Herren war so rücksichtslos, daß er bald nichts mehr sein
eigen nannte. Schwer seufzten die Bauern und murrten
gegen ihre Peiniger. Geheime Verschwörungen bildeten sich,
es sei nur an den „armen Konrad“ und den „Bundschuh“
erinnert. Jener große Kampf, welcher den Namen des
Bauernkrieges führt, war ja mehr ein Ringen um die Exi
stenz als um religiöse Wahrheiten. Blutig wurde er nieder
geschlagen, und unser Vaterland hat bis zur Neige des
vorigen Jahrhunderts seine Bauern unter dem schweren
Drucke der Mißhandlung und Ausbeutung als Leibeigene
geknechtet gesehen.
Es war unter solchen Zuständen natürlich, daß andere
Formen des Bodenbesitzes in die Erscheinung treten mußten,
um die Bauern zur Betreibung ihres Gewerbes anzuregen,
denn von den Herren wurden sie immerfort schlechter be
handelt und ausgezogen. Schon im 16. Jahrhundert trat
die freie Belehnung, Kauf und Pacht des Bodens, auf, die
aber erst durch die Erschütterungen der französischen
Revolution zum allgemeinen Durchbruch kam und sicher
als solche ein wichtiges Mittel gewesen ist, den Gewerbe-
Heiß in ungeahnter Weise zu heben. Aber der freie Handel
mit Grund und Boden ist nur eine Durchgangsstufe gewesen,
sofern er als Ablagerungsstätte des Kapitalismus gedient hat.