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Preise der innere Markt vertieft werden könnte, nicht diesen Weg
zu gehen, sondern suchen nach ausländischen Märkten, wo sie die
Waren zu hohen Preisen absetzen können.
So handeln auch die russischen Unternehmer, die, statt den
innern Markt zu vertiefen, ausländische Märkte auf suchen in der
Hoffnung, die Preise hochhalten zu können und dadurch erhöhten
Gewinn zu erhalten. Das ostasiatische Abenteuer und die Politik
im Orient ließen bei den russischen Unternehmern die Hoffnung
auf auswärtige Märkte aufkommen. Die Zerstörung dieser Illu
sionen und die Enttäuschung über die Militärmacht Rußlands
zwangen sie, dem inneren Markt mehr Aufmerksamkeit zu
schenken.
Es ist bekannt, daß die Überlastung der Bevölkerung mit Ver
brauchssteuern zur Verminderung des Konsums, oft sogar der
Steuereinnahmen führt. Der innere Markt wird dadurch sehr
eingeengt, ebenso wie die Krise der Bauernwirtschaften die In
dustrie schwer getroffen hat. Die Unternehmer sahen sich ge
zwungen, nicht nur sich um die Lage der Bauern zu kümmern,
sondern auch Absatz für ihre Erzeugnisse auf den auswärtigen
Märkten zu suchen.
Die Manufakturisten arbeiten energisch in Persien und hoffen,
die Engländer von dort zu verdrängen; die Bergindustriellen ver
suchen sogar den westeuropäischen Markt zu betreten. Die ge
ringe Entwicklung des inneren Marktes führte zur Ausfuhr von
Bergbauerzeugnissen. „Die Überproduktion an Roheisen in Ruß
land, die relativ niedrigen Preise brachten es dahin, daß im Aus
lande Nachfrage nach unserem Roheisen und dessen Surrogaten
entstand,“ konstatierte der Berichterstatter auf dem 32. Kongreß
der Bergindustriellen von Südrußland (1907).
In der Hauptsache werden allerdings nicht sowohl Fabrikate,
als Rohstoffe ausgeführt. Auch dies ist keineswegs eine Eigen
tümlichkeit des russischen Kapitalismus. Im Gegenteil. Die Aus
fuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten entspricht einer be
stimmten Entwicklungsstufe.
Jedes Produkt durchläuft verschiedene Stadien der Verarbei
tung, bevor es den Markt erreicht. So wird zuerst Erz gewonnen,