Full text: Logik des Geldes

gl. Die Aufgabe. §2. Das Geldproblem und die Antinomie des Denkens. 27 
gründung unterbleibt hier entweder ganz, oder sie wird den 
empirisch gewonnenen Sätzen der speziellen Dynamik ent 
nommen oder aber endlich wieder in einer abstrakten Logik 
gesucht, die unseren wirtschaftlichen Vorstellungen nicht 
gerecht werden kann. Sehr selten wird nur eine kurze Be 
trachtung darüber angestellt, ob der Staat für das von ihm 
ausgegebene Metall- oder Papiergeld allgemein aufkommen 
müßte. Und die Antwort wird auch hier höchstens in formal 
juristischen Deduktionen, nicht aber in der wirtschaftlichen 
Logik gesucht, die doch dem Gange der Gesetzgebung erst 
die Wege zu weisen berufen ist. Niemals aber ist unseres 
Wissens das Problem des Endes in den Mittelpunkt einer 
geldtheoretischen Betrachtung gestellt worden. 
§ 2. 
Das Geldproblem und die Antinomie des Denkens. 
Die Frage nach dem Ende eines jeden Oeldsystems läßt sich 
mit einer Kant’schen Antinomie vergleichen L »Die Welt hat 
einen Anfang (Grenze, Ende) in der Zeit« lautete die alte 
Thesis, »die Welt ist in Ansehung der Zeit unendlich« die 
Antithesis. »Ein stoffwertloses Geld kann nicht ohne Ende 
zirkulieren« lautet unsere These, und »ein stoffwertloses 
Geld muß ohne Ende zirkulieren« die Antithese. »Geld kann 
nicht ohne Ende zirkulieren — denn es muß eine schließliche 
Befriedigung, eine Einlösung als Abschluß erwarten lassen«, 
— »Geld muß ohne Ende zirkulieren, denn nur im ewigen 
Weitergegebenwerden, in der Funktion liegt sein Wesen, 
und der Begriff des Endes bedeutet Negation und Aufhören 
dieses Wesens.« 
1 Vgl. Moll, Die theoretischen Probleme des stoffwertlosen Geldes im 
nationalen und internationalen Wirtschaftsleben, Weltwirtschaftliches Archiv 
1914, S. 99 ff.
	        
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