34 Drittes Kapitel. Die Geldliteratur und der Versuch, zu Ende zu denken.
den Wert eines edlen Metalles stehen würde, wenn es einmal
im sicheren Besitz der Geldinhaber zurückbliebe, ohne weiter
für den Verkehrsbedarf (die Geldfunktion) benötigt zu
werden.
Einigen Metallisten mag der Wert der Edelmetalle geradezu
als etwas Starres, Festgefrorenes erscheinen — sehr
im Gegensatz zu dem modernen Wertbegriff der nationalökonomischen
Wissenschaft, — eine eigenartig-sinnliche Auffassung.
Wäre aber an dem toten Stoff des edlen Metalles
irgendetwas gelegen, wenn er nicht mehr Träger von unzerstörbarem
Wert durch Zeit und Raum bliebe? So kann
einseitiger Metallismus zum individualistischen Materialismus
der Geldauffassung werden.
Nun könnte aber der Metallismus auch weniger einseitig
auftreten, nämlich in Kombination mit der sogenannten Anweisungstheorie,
und da würde sich zeigen, daß beide Lehren
nicht, wie man gemeinhin annimmt, schroffe Gegensätze darstellen,
sondern bei zweckmäßiger Anwendung sich glücklich
ergänzen können. Wenn man nämlich dem Metallisten
vorhielte, daß mit einer allgemeinen Demonetisierung der
edlen Metalle auch der größere Teil des Wertes dieser Stoffe
dahin wäre, so würde der Metallist zunächst vielleicht die
Richtigkeit dieser Behauptung bestreiten, zum mindesten
aber sagen, sie sei ebensowenig wie die seine zu beweisen.
Wenn er sie aber zugestanden, so würde er vielleicht sagen,
hier höre die Macht der Menschen auf. Eine Garantie für die
dauernde Erhaltung des Wertes einer Substanz könne und
brauche kein Staat zu übernehmen. Dies ändere nichts daran,
daß der Begriff des Geldes nach seiner Auffassung immer
eine Edelmetallquantität fordere. Vielleicht aber würde
er dann auch zugestehen, daß das Ende eines Geldsystems
nicht rein metallistisch gedacht werden sollte, sondern daß
man sich hier Sachgüter und Dienste als Abschluß vor-