Full text : Logik des Geldes

§  4.  Adam  Müllers  Lehre  vom  ewigen  Nationalkredit.  53
werden,  daß  es  wieder  verzehrt  wird;  wenn  es  dem  Verzehren,
d.  h.  dem  Tode  abgegeizt  oder  entzogen  würde,  so  wäre  es  erst
dadurch  recht  tot.  (Versuche  einer  neuen  Theorie  des  Oeldes,
1816,  S.  85.)
»Da,  wo  das  Auge  die  Welthaushaltung,  das  Weltgesetz  in
seinen  ganz  großen  Zügen  sucht,  im  Völkerverkehr,  wo  kein  irdischer ­
  Arm  das  Gesetz  mehr  aufrechterhalten  kann  und  wo  es  sich
selbst  durch  sein  unendliches  Mittlertum  behaupten  muß  —  zeigen 1
sich  Massen  des  Todes,  übereinander  gehäufte  Bilder  des  Unterganges, ­
  und  wie  jene  unglücklichen  Naturforscher,  die  den  Tod
nicht  zu  besiegen  wußten,  also  die  Lebenserscheinungen  zusammendrängten, ­
  um  das  ynmer  mehr  entweichende  Leben  zu  greifen
und  zu  fassen,  so  irren  die  vereinzelten,  aus  dem  Zusammenhang
ihrer  Geschäfte  herausgerissenen  Menschen  umher;  ohne  Rat
gegen  den  Untergang,  halten  sie  sich  an  den  einzelnen  Planken
des  zerscheiterten  Lebens,  sammeln  und  häufen  die  einzelnen
Güter,  die  vom  Geiste  der  Gesellschaft  entblößt,  also  wertlos  geworden ­
  sind,  streben  also  vor  allen  Dingen  nach  jener  Ware,  die
an  Expansion  und  Kontraktion,  an  Beweglichkeit  und  Dauerhaftigkeit ­
  dem  höheren  Gute,  welches  sie  verloren  haben,  am  ähnlichsten
ist,  nämlich  dem  edlen  Metalle.
'  Sie  suchen  Surrogate  nicht  bloß  für  den  verlorenen  Verkehr
mit  dem  Indien,  sondern  auch  für  den  verlorenen  natürlichen  Verkehr ­
  untereinander,  und  sehr  schicklich  fällt  ihre  Wahl  auf  die
edlen  Metalle,  denn  die  edlen  Metalle  haben  unter  allen  Waren
den  größten  kosmopolitischen  Charakter,  können  ferner  am  schärfsten ­
  in  die  verlangten  Teile  abgesondert  und  auseinander  gesetzt
werden,  ihre  Substanz  endlich  ist  in  allen  Formen  und  Portionen
die  gleichförmigste.  So  entsprechen  sie  sehr  genau  den  drei  Haupttendenzen ­
  dieses  zersprengten  Geschlechts,  nach  dem  schrankenlosen ­
  Universum  der  allgemeinen  Konkurrenz,  nach  dem  streng
abgesonderten  und  auseinander  gesetzten  Privateigentum  und  nach
einem  bloßen  Zahlen-,  Summen-  und  Massenleben.«  (Theorie  d.
G.  S.  97.)
Unter  den  Sachen  sind  es  die  edlen  Metalle,  unter  den  persönlichen ­
  Kräften  des  Menschen  ist  es  das  Wort,  von  denen  jedes  in
seiner  Sphäre  die  Vereinigung  vollzieht,  die  der  Mensch  unaufhörlich ­
  unter  allen  seinen  persönlichen  und  sächlichen  Angelegenheiten ­
  zu  stiften  strebt.  Die  edlen  Metalle  sind  das  natürlichste
Band  unter  den  Sachen,  das  Wort  ist  das  natürlichste  Band  unter
allen  persönlichen  Kräften.  Das  Wort  und  das  edle  Metall
sind  also  die  beiden  großen  Formen,  unter  denen  das  Geld  erscheint, ­
  die  beiden  großen  Versinnlichungen  des  ökonomischen
Staates.  Keines  von  beiden  allein  und  für  sich  drückt  das  Wesen
des  Geldes  vollständig  aus.  Wer  also  eine  bloß  materielle  Anschauung ­
  des  Geldes  hätte,  oder  wer  es  bloß  im  edlen  Metalle
            
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