§ 4. Adam Müllers Lehre vom ewigen Nationalkredit. 55
um in zwei einander ewig bedingende Geldformen, in Kreditgeld
und Sach- (oder Metall-)geld.« (Theorie d. G. S. 284.)
> Aber das Metallgeld in seiner traurigen Beschränkung wird
mehr und mehr verdrängt werden aus unseren Staaten, und also
auch aus der Theorie; es wird für Idas höhere ökonomische Leben
immer unzureichender befunden werden, wie es schon in so
vielen Staaten der Fall gewesen ist. Das wahre, ewige Geld wird
deutlich zum Vorschein kommen, und jede einzelne Ökonomie,
wie es sich gehört, in dessen Schicksale und so wieder in das Inter
esse der Nationalkraft, in den wahren und ewigen ,interet gene-
raF, verflochten werden. . (Die Elemente der Staatskunst, Berlin
180» 11. Band, S. 206.)
Metallgeld, haben wir gesehen, hat, wie groß auch sein Ge
brauchswert sein möge, sehr bestimmte Schranken: Die höheren
Bedürfnisse des Menschen, an denen seine Natur erkannt und von
der tierischen unterschieden wird, können durch Metallgeld nicht
mehr befriedigt, vermittelt und ausgeglichen werden. Der Geist
der Gesellschaft, der wahre Nationalgeist muß selbst ans Licht
treten, und mit ihm muß gezahlt werden.« (Elemente, II. S. 296.)
»Warum die österreichischen Finanzen einen geringen Wert auf
das weltökonomische Symbol- oder Metallgeld legen durften, war
um ihnen eine Papierzirkulation früher verstattet war und warum
die Zuflucht des Thesaurierens nicht ergriffen zu werden brauchte,
ist klar; es liegt in dem innerlich gleich wichtigen und durch ein
halbes Jahrtausend konsolidierten ökonomischen Bau dieser Mon
archie. Wie vielen Tadel die ökonomische Administration der
selben auch verdient hätte und wie wenig sie selbst auch ihre un
ersetzlichen Vorzüge hätte würdigen mögen —; sie hatte eine
eigentümliche nationalökonomische Kraft, welche der preußischen
Monarchie mangelte und welche den Strömungen des Welthandels
und der Alleinherrschaft des Geldes entgegengesetzt werden
konnte. —« (Elemente, 111. S. 196.)
»Die edlen Metalle können überhaupt durch nichts er
setzt werden, als durch Nationalität: diese, oder politische
Unabhängigkeit ist allein imstande, sie in ihre Grenzen zurückzu
weisen. Sobald aber das Band der Nationalität schlaffer und die
politische Abhängigkeit möglich, wenn auch noch nicht wirk
lich wird, offenbart sich dies, ohne daß erst eine weitere äußere
Veranlassung hinzuzukommen braucht, in steigender Nachfrage
nach dem Metallgelde, der einzigen Stütze, welche übrig bleibt,
wenn das Ideengebäude des Staates nicht mehr auf sich selbst
ruhen und sich selbst tragen will. —« (Elemente, III. S. 197.) -
Die von anderen gerügte Verschwommenheit der Begriffe
Müllers, ihre romantische Verklärung, bedeutet in der