62 Viertes Kapitel. Grundlegung einer wirtschaftlichen Theorie des Geldes.
schwören, die jeden Gedanken an eine »reale Befriedigung«
ablehnen, die aber in ihrem tatsächlichen wirtschaftlichen
Handeln sich als fanatische Metallisten kennzeichnen.
§ 2.
Die Geldfunktion und die Vorstellung der endlichen Befriedigung.
Der Unendlichkeitsbegriff.
»Der Besitz von Geld muß zu einer materiellen (immateriellen)
Befriedigung führen« (S. 60). Stellen wir uns nun einmal
vor: Es existiere ein System stoffwertlosen Geldes, und zwar
ohne jede Anlehnung an ein noch bestehendes metallisches
System und ohne daß bei den Menschen die Vorstellung
einer schließlichen Einlösung in Metall oder Sachgütern
(Diensten) zu finden wäre b Dann zwingt unser wirtschaftliches
Denken uns immer wieder zu der letzteren Vorstellung,
die wir der Voraussetzung gemäß ausschließen wollten.
Wohl können wir uns vorstellen, daß innerhalb eines Staates
lange, lange Zeit hindurch ein stoffwertloses Geld als einziges
Zahlungsmittel ohne Störung der wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den Menschen funktionierte. Von den
etwaigen technischen und praktischen Voraussetzungen und
Schwierigkeiten ist hier nicht die Rede. Lange, lange Zeit
hindurch erscheint das Zeichen-Geldsystem als denkbar. Aber
muß es nicht schließlich einmal ein Ende nehmen? Muß nicht
eine Einlösung erfolgen, sei es in Metallgeld oder in Waren
und Diensten? Gewiß, unser Staat oder unsere Staatenkonvention
— auch an eine solche könnte gedacht werden —
kann zusammenbrechen, bevor die Einlösung stattgefunden.
Aber die Vorstellung einer endlichen Befriedigung muß von
1 Vgl. hierzu Moll, Die theoretischen Probleme des stoffwertlosen
Geldes im nationalen und internationalen Wirtschaftsleben, Weltwirtschaftliches
Archiv 1914, S 99ff.