Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

7.  Süddeutsche  Industrie  im  Zeitalter  des  Merkanülismus.

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H,  T-  aus  voller  Lebenskraft  heraus,  vorwärts  zu  kommen,  war  dem  Kaufmann  damals
F^^er  möglich,  noch  schien  es  ihm  erstrebenswert.  Auf  der  einen  Seite  hatten  die
^"?sten  der  wirtschaftliche  Rückgang,  insbesondere  die  durch  den  Dreißigjährigen
^  herbeigeführte  Verarmung,  auf  der  andern  Seite  ihre  sich  forwährend  steigern-Lebensansprüche
  und  die  daraus  sich  ergebenden  finanziellen  Nöte  bewogen,  den
u^del  und  Gewerbfleiß  nach  Möglichkeit  zu  heben,  natürlich  nur  in  ihren  Ländern
so  ö  Ländchen.  Daß  man  nationale  Handelspolitik  treiben  könne,  diesen  Gedanken
^  .bte  schon  die  innere  Zersplitterung  nicht  aufkommen  lassen;  höchstens  wirkte  das
j,  dich  noch  schädigend  durch  Verbote  des  Handels  mit  Staaten,  gegen  die  der  Kaiser,
a  ^  das  Haus  Habsburg,  Krieg  führte,  wie  1703  der  Handel  mit  Spanien  und
d?vkreich  verboten  wurde.  Vielmehr  hatte  jedes  Ländchen  seine  eigene  Handelsv
  "tik,  die  aber  überall  gleichartig  war,  nämlich  künstlich  und  völlig  dilettantisch.
büchst  überwog  das  finanzielle  Interesse  der  Fürsten  durchaus,  man  kann  von
sem^  regalistischen  Epoche  der  Handelspolitik  sprechen.  Mit  dem  18.  Jahrhundert
dann  auch  in  Deutschland  jene  höhere  Stufe  dieser  bevormundenden  Politik  ein,
e  sich  seit  der  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  insbesondere  in  England  und  Frankreich
"^wickelt  hatte,  nämlich  die  merkantilistische.
,  Der  stolze  Kaufmann  der  Hansa  und  der  süddeutschen  Städte  ist  zu  einem
s^ängigen  und  bevormundeten  Manne  geworden.  Aber  seine  Abhängigkeit  zeigte
auch  in  anderer,  nicht  minder  wichtiger  Beziehung,  in  seinem  Verhältnis  zum
2^land.  Wie  das  geistige  und  gesellschaftliche  Leben  der  Deutschen  damals  im
k  Frankreichs  stand,  so  wurde  das  kaufmännische  von  Holländern  und  Englän-,
  dirigiert.  Der  deutsche  Kaufmann  stand  gewissermaßen  im  Dienste  des  fremden,
^eit  wenigstens  der  Großhandel  in  Betracht  kam.
e  Daß  aber  trotz  aller  dieser  Schattenseiten  das  Leben  des  damaligen  deutschen
.  ^Ufmanns  doch  nicht  nur  Niedergang  und  Verkümmerung  zeigte,  muß  heroorgewerden.
  Ohne  gewisse,  freilich  schwer  zu  beobachtende  Ansätze  zu  selbständigerer
gesunderer  Entwickelung  kann  die  Zeit  nicht  gewesen  sein:  an  sie  knüpft  vielmehr
J e  allmähliche  Besserung  der  Zustände  im  18.  Jahrhundert,  die  freilich  ebenfalls  noch
Urnmerlich  genug  bleiben,  an.  Im  Jahre  1715  konnte  Paul  Jakob  Marperger  in
1  einem  „getreuen  und  geschickten  Handels-Diener"  bereits  die  Meinung  äußern,  daß
" es  heutiges  Tags  mit  der  Kaufmannschafft  ein  gantz  anderes  Ansehen  gewonnen,  als
es  vor  diesem  damit  gehabt".

Süddeutsche  Industrie  im  Zeitalter  des  Merkantilismus.
Von  Eberhard  Gothein.

Gothein,  Wirtschaftsgeschichte  des  Schwarzwaldes  und  der  angrenzenden  Landschaften. ­
  1.  Bd.  Straßburg,  Karl  I.  Trübner,  1892.  S.  45—48.
In  der  Wertschätzung  der  Großindustrie  kamen  alle  Staatsmänner  der  merkantiliftischen
  Epoche  überein;  sie  bewunderten  sie  um  ihrer  wirtschaftlichen  wie  um
ihrer  sozialen  Vorzüge  willen.  In  der  Art  der  Einführung  aber  machen  sich  alsbald
die  Unterschiede  geltend,  und  diese  führen  sich  großenteils  auf  die  Vorbilder  zurück,
denen  man  nachfolgte.
Das  allbewunderte  Musterland  des  17.  Jahrhunderts*)  ist  Holland,  das  des
18.  Frankreich,  und  schon  macht  sich  am  Ende  dieser  Epoche  in  einzelnen  Vorläufern

*)  Es  ist  wohl  kaum  zu  bemerken  nötig,  daß  das  Wort  Jahrhundert  hier  und  sonst
nicht  im  strikten  Zahlensinne  zu  nehmen  ist.
            
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