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Zweiter Teil. Handel. IX. Märkte und Messen.
ist, sondern daß der Umfang und das Anwachsen dieser Zurückdrängung sehr wohl
berechtigt, die Frage: „Gibt es eine Notlage des Kleinhandels?" zu bejahen.
Obige Gegenüberstellung der Veränderungen, welche auf dem Gebiete des
Detailhandels sich in den letzten Jahrzehnten vollzogen haben, erweist aber außer der
Beseitigung der Konsumentenversorgung ausschließlich durch die Klein-Detaillisten
noch weiter die Tatsache, daß die Grundsätze der Geschäftsführung von Detailgeschäften
nicht mehr die gleichen sind, nicht mehr allgemein feststehen. Die Methode,
einzelne Waren plötzlich in großen Mengen billigst anzubieten, macht es dem
Klein-Detaillisten unmöglich, in dem betreffenden Artikel ein reguläres, d. h.
dauerndes Geschäft aufrecht zu erhalten. Die Gepflogenheit gewisser Warenhäuser,
immer nur die gangbarsten Artikel einer Branche zu führen, macht es den Klein-Detaillisten,
welche naturgemäß auch die weniger gangbaren Artikel ihres Geschäftszweiges
halten müssen, sehr schwer, sich im Wettbewerb erfolgreich zu behaupten.
Das Feilbieten gewisser, der Preislage nach allgemein bekannter Waren (sog. Lockvögel)
zum Selbstkostenpreise oder sogar mit Verlust behufs Heranziehung großer
Käufermassen entzieht dem Klein-Detaillisten nicht nur die weitere Verwertung dieser
Artikel, sondern entfremdet zugleich damit ihm auch eine große Zahl von Kunden
überhaupt. Ferner liegt es auf der Hand, daß die ausschließliche Beschäftigung mit
einem einzigen Artikel einer Branche (in Spezialgeschäften mit Kaffee, Kinderkleidern,
Damenmänteln) zu einer gewissen Überlegenheit auf diesem Gebiet führt,
— diese Geschäfte entziehen also einen weiteren Teil des Umsatzes den alten Klein-Detaillisten.
Auch dürften im allgemeinen diejenigen im modernen Detailhandel nicht
mehr seltenen Geschäfte, in denen man durch die große Höhe oder die große Schnelligkeit
des Umsatzes erfolgreich einen Vorsprung zu gewinnen weiß, den Klein-Detaillisten
manchen Weg zu einer Kundschaft abgraben.
Die Zurückdrängung des altgewohnten Klein-Detailhandels ist also nicht nur
zurückzuführen auf gewisse Konkurrenten, die neben den Klein-Detailhändlern an
der Versorgung der Konsumenten nunmehr teilnehmen (z. B. Konsumvereine, Warenhäuser
und andere Groß-Detailhandlungen, Industriebetriebe), sondern auch daraus,
daß es auch im Gewände des Klein-Detailgeschäftes Betriebe gibt, welche die bisher
allgemein bestehenden geschäftlichen Grundlagen einreihen helfen.
Es ist also den alten Detailgeschäften, deren Hauptmerkmale in ihrer
kapitalistischen (und zwar kleinkapitalistischen) Organisation und in der Zusammenfassung
aller Waren einer Branche bestehen, sowohl von außerhalb — durch
Konsumvereine und großkapitalistische Geschäfte — als auch von innerhalb aus
ihren eigenen Reihen ein großer Teil des Bodens abgegraben worden.
IX. Markte und Reffen.
1. Markt und Geld bei den Naturvölkern.
Von K a r l B ü ch e r.
Bücher, Die Wirtschaft der Naturvölker. In: Die Entstehung der Volkswirtschaft.
Vorträge und Versuche, 8. Ausl. Tübingen, H. Laupp, 1911. S. 66—70.
Die Märkte werden übereinstimmend bei Negern, Indianern und Polynesiern
an den Stammesgrenzen auf freien Plätzen, oft mitten im Urwald, abgehalten.
Sie sind neutrale Gebiete, auf welchen alle Stammesfeindschaften ruhen müssen;