3. Die Goldproduktion der Welt am Ende des 19. u. am Anfang des 20. Jahrh. 259
Eine entscheidende Wendung trat erst mit dem Anfang der neunziger Jahre ein.
Jahr für Jahr, und meist in großen Sprüngen, ging die Goldproduktion in die Höhe.
Der Rückgang, der feit dem Beginn der siebziger Jahre eingetreten war, wurde rasch
wieder ausgeglichen; am Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die jährliche Gold
gewinnung einen Betrag, der etwa 2V 2 mal so groß war als die durchschnittliche
Jahresproduktion der kalifornisch-australischen Epoche, und nach einer kurzen Stockung
infolge des Burenkrieges ist jetzt die jährliche Goldproduktion mit rund 665 000 kg
auf der dreiundeinhalbfachen Höhe der kalifornischen Zeit angelangt.
Den Anstoß zu diesem letzten und weitaus stärksten Aufschwung der Gold
gewinnung gaben die Goldbergwerke am Witwatersrande in Südafrika, deren Er
trägnisse sich von 1891/92 an in rascher Folge verdoppelten und verdreifachten. Es
handelt sich dort um ein Goldvorkommen von ganz außerordentlicher Ausdehnung
und Nachhaltigkeit, und zwar um ein Vorkommen, das nicht im Wege der Gold
wäscherei, sondern fast nur im Wege des Quarzbergbaus ausgebeutet werden kann.
Trotzdem liefert Transvaal Erträgnisse, die auch die reichste Produktion aller bisher aus
gebeuteten Schwemmlande übertreffen. Im Jahre 1898 betrug die Produktion von
Südafrika 120 600 kg Gold im Werte von 336,4 Millionen Jl. Seitdem hat der
Burenkrieg einen zeitweisen Stillstand der Minen herbeigeführt, und nach Friedens
schluß schien die volle Wiederaufnahme des Betriebs, abgesehen von technischen
Schwierigkeiten, namentlich in der Beschaffung der nötigen Arbeitskräfte auf Hinder
nisse zu stoßen. Bereits das Jahr 1904 übertraf jedoch mit 129 000 kg wieder die
Goldproduktion des Jahres 1898, und seither ist die Goldgewinnung Südafrikas m
dem Maße weiter gestiegen, daß sie im Jahre 1908 mit 250 000 kg nicht unwesentlich
höher war als die durchschnittliche Weltproduktion der kalifornischen Ära.
Neben Transvaal wurden einige andere Produktionsgebiete neu in Angriff
genommen. Von 1888 an wurde in Indien, namentlich in Myfore, Gold produziert,
und zwar in rasch steigenden Beträgen; 1907 betrug die Goldgewinnung in Britisch-
Jndien etwa 431/2 Millionen Jl. Auch in anderen asiatischen Gebieten, namentlich im
chinesischen Amurgebiete, wurden erhebliche Quantitäten Gold gefunden; die chinesische
Produktion des Jahres 1907 wird vom amerikanischen Münzdirektor auf
19 Millionen Jl veranschlagt.
In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre sind ferner im hohen Nordwesten
des nordamerikanischen Kontinents, in dem kanadischen Klondyke und dem amerika
nischen Alaska, Alluvien von offenbar erheblichem Goldreichtum entdeckt worden.
Die klimatischen Verhältnisse des hohen Nordens bedeuten allerdings eine ganz außer
ordentliche Erschwerung, trotzdem hat die kanadische Goldproduktion im Jahre 1900
einen Wert von mehr als 117 Millionen Jl erreicht; seither ist jedoch ein Rückgang
bis auf 35,4 Millionen Jl im Jahre 1907 eingetreten. Dagegen hat die Gold
produktion von Alaska im Jahre 1907 einen Wert von 77,7 Millionen Jl ergeben.
Die Auffindung und Inangriffnahme dieser neuen Lagerstätten hätte zwar
genügt, um der Periode der Stagnation und des Rückgangs der Goldproduktion ein
Ende zu machen; für sich allein jedoch hätten diese neuen Goldlager und Goldberg-
werke nicht die ganz gewaltige Steigerung der Goldgewinnung, deren Zeugen wir
in den letzten zwei Jahrzehnten waren, bewirken können. Diese neueste Epoche der Gold
produktion unterscheidet sich vielmehr von allen früheren aufsteigenden Perioden ge
rade dadurch, daß nicht ausschließlich neue Fundstätten die Zunahme der Gold
gewinnung hervorgerufen haben, sondern daß ein reichlicher Anteil an der Steigerung
auf eine beträchtliche Zunahme der Goldgewinung in den alten Produktionsgebieten
entfällt. Die Vereinigten Staaten und Australien haben von 1891—1899 ihre Gold
produktion mehr als verdoppelt; seither ist in den Vereinigten Staaten die Zunahme
in langsamerem Tempo weitergegangen, Australien erreichte 1903 einen Höhepunkt
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