Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2.  Wesen,  Geschäfte  und  Arten  der  modernen  Banken.  275

4.  Zu  diesem  passinen  Kreditgeschäfte  tritt  neuerdings  immer  häufiger  das
Depotgeschäft,  Aufbewahrungsgeschäft,  das  darin  besteht,  daß  man
einer  Bank  Wertpapiere,  die  man  besitzt,  zur  Aufbewahrung,  Abhebung  der  Coupons,
Einlösung  verloster  Papiere  u.  dgl.,  also  zur  Verwaltung  übergibt  (offene  Depots),
oder  daß  man  Wertpapiere  in  feuer-  und  diebessichere  Stahlkammern  der  Bank  legt
und  die  Verwaltung  selbst  führt.
Die  aktiven  Kreditgeschäfte  sind  die  folgenden:
1.  Das  E  s  k  o  m  p  t  e  -  oder  Diskontgeschäft.  Es  besteht  in  dem  Verkauf ­
  bezw.  Kauf  (seitens  des  Kreditgebers)  einer  später  fällig  werdenden  Forderung.
In  der  Regel  handelt  es  sich  um  einen  Wechsel.  Für  das  normale  Bankgeschäft
kommen  nur  Wechsel  in  Betracht,  denen  eine  Forderung  aus  einem  bereits  durch,
geführten  Geschäft  zugrunde  liegt.  Die  Bonität  der  Unterschriften  und  der  Ursprung
des  Wechsels  werden  von  eigenen  „Zensoren"  der  Banken  geprüft.  Bei  Notenbanken ­
  sind  besonders  strenge  Bedingungen  für  die  Eskomptefähigkeit  eines  Wechsels
aufgestellt,  da  die  nicht  bar  gedeckten  Noten  fast  ausschließlich  durch  bald  fällige
Wechsel  gedeckt  sind.
2.  Das  Lombardgeschäft,  d.  h.  die  Belehnung  von  Wertpapieren,  Waren
oder  anderen  beweglichen  Pfändern.  Hier  ist  eine  Sicherstellung  des  Darlehens  nicht
nur  durch  die  Person  und  das  Vermögen  des  Kreditnehmers,  sondern  durch  ein
spezielles  bewegliches  Verkehrsobjekt  gegeben,  dessen  Wert  geschätzt  und  bis  zu  einem
bestimmten  Prozentsatz  (%,  %,  y 2  des  Wertes)  belehnt  wird.  Cs  ermöglicht,  den
Wert  eines  Warenvorrates,  z.  B.  der  Getreideernte  oder  eines  Wertpapierbesitzes
teilweise  zu  realisieren,  ohne  das  Eigentum  an  den  Vermögensobjekten  aufgeben  zu
müssen.  Nicht  zu  verwechseln  mit  dem  Lombardgeschäft  ist  das  Reportgeschäft,
das  äußerliche  Ähnlichkeit  mit  jenem  hat.  Bei  ihm  übernimmt  die  Bank  Wertpapiere,
welche  jemand,  der  auf  das  Steigen  ihres  Kurses  spekuliert,  gekauft  hat,  aber  zurzeit ­
  nicht  zahlen  kann,  und  verkauft  sie  an  den  Spekulanten  zu  einem  vereinbarten
Kurse  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  zurück.
3.  Das  Kontokorrentgeschäft.  Es  wird  mit  Kunden  der  Bank  gepflegt, ­
  die  bei  ihr  Wertpapiere  deponiert  und  Depositen  hinterlegt  haben,  den
Zahlungsverkehr  durch  sie  besorgen  lassen.  Die  Bank  leistet  für  solche  Kunden
Zahlungen,  auch  wenn  ihr  Depositenkonto  zurzeit  nicht  aktiv  ist,  und  berechnet  sich
dafür  Zinsen.  Hat  der  Kunde  kein  Unterpfand  (Wertpapiere,  Wechsel,  Hypotheken»
gegeben,  so  bezeichnet  man  einen  solchen  Kredit  als  Blankokredit,  Buchkredit. ­
  Er  entsteht  dort  häufig,  aber  immer  nur  für  kurze  Zeit,  wo  eine  dauernde
Geschäftsverbindung  zwischen  Bank  und  Kunde  besteht.
4.  Das  Hypothekengeschäft.  Hier  werden  unbewegliche  Güter,  Boden
oder  Gebäude,  belehnt,  und  dem  Kreditgeber  wird  ein  Pfandrecht  daran  eingeräumt,
das  ins  Grundbuch  eingetragen  wird  (Hypothek).  Dieser  Kredit  ist  stets  langjährig,
und  ihm  muß  daher  auf  der  Passivseite  ein  eben  solches  passives  Kreditgeschäft  der
Dank  gegenüberstehen  (Ausgabe  von  Pfandbriefen).  Nur  unter  besonderen  Voraussetzungen ­
  (erfahrungsgemäßer  langfristiger  Hinterlegung  von  Einlagegeldern,  Depositen) ­
  können  auch  diese  von  Kreditanstalten  zur  Gewährung  von  Hypotheken  verwendet ­
  werden,  z.  B.  von  Sparkassen.
Zu  diesen  eigentlichen  Kreditgeschäften  treten  die  andern,  zum  Teil  damit  zusammenhängenden ­
  Bankgeschäfte.  So  der  Devisenhandel.  Devisen  sind
Wechsel  auf  auswärtige  Plätze  und  werden  zur  Erfüllung  von  Zahlungsverpflich.
tungen  im  Auslande  nachgefragt.  Ihr  Preis  (Kurs)  ist  je  nach  dem  Stande  der
Zahlungsbilanz  schwankend,  und  dieses  Schwanken  des  Devisenkurses  gibt  daher
Gelegenheit,  durch  rechtzeitigen  Einkauf  und  Verkauf  oder  durch  Begebung  eines
Wechsels  auf  ein  ins  Ausland  erliegendes  Guthaben  einen  Gewinn  zu  erzielen.
18*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.