4. Die Bedeutung des Scheckverkehrs.
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schuft des Landes zur nutzbringenden Verwendung zur Verfügung stellt.*) Außer
dem zahlt der Bankier dem Einleger Zinsen für sein Guthaben, trotzdem dieses jeder
zeit zur Verfügung des Deponenten steht. Denn die Erfahrung hat gelehrt, daß von
den Einlagen, obgleich sie ohne Kündigung abgerufen werden können, doch immer
nur ein gewisser Teil zurückverlangt wird, so daß also der Bankier in der Lage ist,
einen Teil der Depositen, und zwar den größeren Teil, seinerseits wieder auszu
leihen. Er muß nur Sorge dafür tragen, daß er selbst bei starken Rückforderungen
auch sofort zahlen kann, und er tut dies, indem er neben der Gewährung von Dar
lehen und dem Ankauf von Wechseln einen Stock jederzeit realisierbarer Staats
papiere (Konsols) unterhält. Die Verfügung über jene Guthaben seitens der De
ponenten geschieht durch Schecks; wir bezeichnen also mit dem Namen „Scheck" die
Anweisung, mit welcher der Inhaber das stündlich zu seiner Verfügung bei dem
Bankier stehende Guthaben ganz oder teilweise abhebt.
Heute ist diese englische Einrichtung über alle Staaten des europäischen Kon
tinents und über Amerika verbreitet und in den meisten Kulturstaaten gesetzlich
geregelt.
Worin liegt nun der Vorteil des Scheckverkehrs? Wir vereinnahmen bei ihm
Zinsen aus dem dem Bankier überantworteten Geld; wir sparen ferner beim Nehmen
und Geben des Schecks die Zeit und Mühe des Geldzählens, die Unbequemlichkeit
und Unsicherheit der Aufbewahrung im eigenen Hause, die Gefahr des Verlustes
durch Falschzählen sowie die Verpackung und Versendung von Ort zu Ort. Der
Scheck macht durch sein Eintreten in die Reihe der Zahlungsmittel andere Zahlungs
mittel stei, indem er gewisse Beträge von Bargeld und Banknoten aus deren Zahl
ausscheidet. Ein Franzose hat das Wesen des Schecks sehr treffend in einigen Sätzen
zusammengestellt: „Sein Zweck ist", sagt er, „die Gelder, die sonst für die kommenden
Bedürfnisse in Bereitschaft gehalten werden, aus ihrer Trägheit herauszureißen, sie
in Umlauf zu setzen und nutzbar zu machen, dem Eigentümer, der sie bei dem Bankier
hinterlegt, dem Bankier, der sie gewerblichen Unternehmungen vorschießt, dem Unter
nehmer, der sie verwendet und fruchtbar macht, dem Arbeiter, welchem der Unter
nehmer Arbeit besorgt, und dessen Wohlstand mit dem gleichzeitigen Wachstum des
Wohlergehens des Arbeitgebers gefördert wird."
In dieser Erklärung finden wir nun auch den zweiten volkswirtschaftlichen
Nutzen des Schecks ausgedrückt: den Nutzen für die erwerbstätigen Klaffen der Be
völkerung. Während der Bankier auf der einen Seite dem Scheckdeponenten Zinsen
vergütet, verwertet er auf der anderen Seite dessen Gelder, indem er sie an Industrie,
Handel und Gewerbe ausleiht und diesen Gelegenheit gibt, die Summe ihrer Pro
duktionsmittel zu vergrößern und dadurch ihre Arbeit ertragsfähiger zu gestalten.
Es handelt sich also nicht nur um den Zinsgewinn des Einlegers gegenüber dem
vorher zinslos zu Hause gehaltenen Gelde, sondern auch um den Nutzen derjenigen,
denen der Bankier die bislang brachliegenden und jetzt verfügbaren Gelder zur
Verfügung stellt, also um den Nutzen des Produzenten, des Kaufmanns, des Fabri
kanten und des Arbeiters, die dadurch in die Lage gesetzt werden, ihre geschäftliche
Tätigkeit zu erweitern.
Man hat wohl gesagt, der Scheckverkehr werde überschätzt, der beste Scheck sei
die Banknote. Dieser Ausspruch ist aber falsch. Der Notenumlauf eines Landes
*) Die Bedeutung des Schecks in England wird durch eine kleine Anekdote illustriert,
die ein Spanier mitteilt. Auf seine Frage, worin der Unterschied zwischen einem »gsvtlewav"
und einem „man", also einem Mann im allgemeinen Sinne bestehe, erhielt er die Antwort:
„Ein „gentleman“ zahlt nie in barem Gelde, er hat stets sein Scheckbuch bei sich: der .man“
dagegen hat bares Geld in der Tasche, er kennt den Scheck nicht."