366 Dritter Teil. Industrie. I. Allgemeines und Grundsätzliches.
mehr und lebten besser als ich; so ging es fast 25 Jahre fort mit Sorgen und mühe
voller Arbeit, und als ich dann eine größere Zahl von Leuten beschäftigte, war den
noch mein Vermögen geringer, als was heute mancher Arbeiter der Gußstahlfabrik
besitzt. Es waren alle sehr brave Leute, mit denen ich die Arbeiten begonnen und
durchgeführt habe. Allen, von denen viele bereits in die Ewigkeit hinübergegangen
sind, habe ich meinen vollen Dank für ihre Treue bewahrt. Jene aber, die ich von
der Herde, vom Pflug, als tüchtige Handwerker, als Arbeitslose von allen Pro
fessionen oder als Kinder von Witwen angenommen habe, traten bereitwillig bei
mir ein, weil sie ihr Los verbesserten, und sie haben in den meisten Fällen auch
dafür ihren Dank gerne ausgedrückt. Mancher von ihnen ist ein wohlhabender Mann
geworden. (Viele Ältere, Meister und Arbeiter, die zum Teil schon vor ca. 46 Jahren
bei mir eingetreten sind, genießen schon seit lange ihre Pension; andere arbeiten noch
mit voller Kraft und alter Treue.)
Den Leuten, die ich gebraucht habe, habe ich ihren Lohn gezahlt, meistens
ihre Stellung verbessert und nach gesetzlichen Bestimmungen den Kontrakt ver
längert oder sie entlassen. Mancher verlieh die Fabrik, um anderswo sich zu ver
bessern, der eine ist gegangen, und ein anderer hat die Stelle wieder besetzt, und wo
ursprünglich 3 Mann beschäftigt waren, standen später 15 000. Im Laufe der Zeit
haben mehr als 100 000 Mann solchen Wechsel auf meinen Werken durchgemacht, und
es ist ganz natürlich, daß solcher Ab- und Zugang fortdauern wird. Jeder Mann
hat nach seiner Kraft und Fähigkeit seinen Lohn erhalten, und anstatt eines jeden
konnte in den meisten Fällen auch ein anderer hingestellt werden.
Es ist bisher keinem eingefallen, nach Empfang des vereinbarten Lohnes noch
einen Anspruch zu erheben an den Gewinn. Für diesen Anspruch treten aber heutigen
Tages gelehrte Volksbeglücker mit den schönsten Redensarten auf, und diese haben
wesentlich zu den betörenden sozialisttschen Lehren geführt.
Der Arbeiter hat die Erfindungen nicht gebracht. Er wird nicht betroffen von
den Kosten und Verlusten, welche der Fabrikant für Versuche und Anlagen zu tragen
hat. Für die Arbeit erhält er den Lohn. Es kann keine Rede davon fein, daß irgend
jemand einen besonderen Anspruch behalte, außer solchem, der in Steigerung des
Lohnes und des Gehaltes besteht und immer nur Folge größerer Leistungen ist.
Das ist Sache der freien Vereinbarung. Die Erfindungen und die dazu gehörenden
Produktionen habe i ch eingeführt; der Arbeiter darf aber nicht die Frucht verlangen
von der Tätigkeit anderer; das ist gegen das jedem Menschen eingeborene Rechts
gefühl. Wie jedermann, verteidige auch ich mein Eigentum; wie mein Haus, so ist
auch meine Erfindung mein und die Frucht derselben, sie mag Gewinn sein oder
Verlust.
In seinem Lohne hat der Arbeiter den größeren Anteil am Ertrage. Denn
durchschnittlich beträgt in guten Zeiten der Lohn mehr als drei Viertel des ganzen
Wertes der Fabrikate; der Rest muß Zinsen, Entwertung, Verwaltungskosten, ver
lorene Posten u. dgl. decken. Dann erst kommt der Gewinn. In schlechten Zeiten
aber, wo der Arbeitgeber oft nichts verdient, vielleicht viel verliert, behält der
Arbeiter immer noch seinen Lohn. Der Arbeiter, der in guten Zeiten Anteil am
Gewinn verlangen möchte, müßte doch auch in schlechten Zeiten, wo zugesetzt wird,
den Verlust teilen, und doch verlangt er auch dann vollen Lohn. Daher ist es not
wendig, daß der Arbeitgeber in guten Jahren mehr verdient, als er gebraucht.
Gerade wie der Landwirt muß er auf Wechselsälle vorbereitet sein. Beide haben oft
die Kosten für die Saat und keine Ernte. Hat die Fabrik in guten Jahren ihr
Kapital nicht vergrößert, so könnte sie in schlechten Jahren nicht bestehen und müßte
die Arbeiter entlassen. — Das ist bisher in größerem Maße nicht nötig gewesen, sie
hat, wenn alles darniederlag, dennoch die Arbeit fortgesetzt, auf Vorrat fabriziert