Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2.  Die  Entstehung  des  Zollvereins.

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Durch  Vertrag  vom  25.  August  1831  trat  Kurhessen  dem  Preußisch-Hessischen
Zollverein  bei.
Noch  wichtiger  als  diese  Tatsachen  waren  die  Bewegungen,  welche  bezüglich  der
Handels-  und  Zollverhältnisse  in  süddeutschen  Kabinetten  im  Jahre  1833  sich  zeigten.
In  Bayern  und  Württemberg  mochten  die  Regierungen  wohl  schon  länger  erkannt
haben,  daß  der  zwischen  beiden  Staaten  bestehende  Zollverein  wegen  seiner  beschränkten ­
  Ausdehnung  und  seiner  ungünstigen  Grenzen  großen  Erfolg  nicht  haben
könne.  Auch  das  finanzielle  Resultat  ließ  zu  wünschen,  da  im  Durchschnitt  der  Jahre
1829—1831  die  Zollverwaltungskosten  nicht  weniger  als  44  %  der  rohen  Einnahmen
verschlangen.
Nachdem  endlich  die  hauptsächlichsten  Bedenken  der  Regierungen  wie  des  Volkes
und  seiner  Vertretungen  überwunden  waren,  kam  am  22.  März  1833  der  Vereinsvertrag
  unter  sämtlichen  beteiligten  Regierungen  zum  Abschluß;  nach  erholter  Zustimmung ­
  der  bayerischen  und  württembergischen  Stände  wurde  sein  Beginn  aus  den
1.  Januar  1834  festgesetzt.
Nun  gab  es  auch  für  Sachsen  wie  für  die  thüringischen  Staaten  Beweggründe
genug,  um  sich  dem  sie  auf  allen  Seiten  umgebenden  Zollgebiet  anzuschließen.  Ihr
Beitritt  erfolgte,  für  das  erstere  am  30.  März  1833,  für  die  zweiten  am  11.  Mai  1833.
Alle  diese  Beitrittserklärungen  kamen  ebenfalls  am  1.  Januar  1834  zur  Ausführung.
Nun  fehlte  aber  von  jenen  Staaten,  welche  noch  außerhalb  des  Zollvereines
standen,  noch  Baden,  dessen  Beitritt  dem  Zollverein  um  so  erwünschter  sein  mußte,
als  dadurch  sein  Gebiet  eine  passende,  leicht  kontrollierbare  Grenze  nach  Westen  erhielt, ­
  während  bisher  auf  der  langen,  schwer  zu  bewachenden  Grenze  gegen  Baden
ein  sehr  ausgedehnter  Schleichhandel  betrieben  wurde.  Schließlich  wurden  auch  hier
die  Schwierigkeiten  beseitigt;  der  Vertragsabschluß  erfolgte  am  12.  Mai  1835,  mit
Wirksamkeit  von  1.  Januar  1836.  Am  10.  Dezember  1835  trat  Nassau,  am  2.  Januar
1836  Frankfurt  bei.
Aber  diese  endgültige  Vereinigung  geschah  nicht  ohne  große  Schwierigkeiten
und  Selbstverleugnung  von  seiten  der  einzelnen  Regierungen.
Preußen  hatte  Bedenken,  das  Königreich  Sachsen  in  den  Zollverband  aufzunehmen, ­
  weil  die  nun  freier  gestellte  Leipziger  Messe  zunächst  der  Messe  in  Naumburg ­
  Abbruch  tun  mußte,  insbesondere  aber  das  so  fabrikenreiche  Land  für  die  Baumwollenfabrikanten ­
  in  Berlin  und  anderen  Orten  der  Mark  und  Schlesiens  eine  gefahrdrohende ­
  Konkurrenz  eröffnete.
Insbesondere  aber  herrschten  in  den  süddeutschen  Staaten  Bayern,  Württemberg ­
  und  Baden  Verkehrs-,  Lebens-  und  Wirtschaftsverhältnisse,  die  von  jenen  Norddeutschlands ­
  vielfach  abwichen.  Dort  im  großen  und  ganzen  in  jener  Zeit  noch
vorwiegend  Ackerbau,  gegründet  auf  fruchtbare,  mit  reichen  Gaben  der  Natur  gesegnete ­
  Gebiete,  hier  vielfach  vorherrschend  die  gewerbliche  Industrie;  dort  eine  gewisse
Selbstgenügsamkeit,  ein  Zehren  und  Leben  von  den  Erträgnissen  des  eigenen  Bodens,
hier  vielfach  Zufuhr  von  außen  und  deshalb  ausgedehnterer  Handel.
Zwar  fehlte  es  auch  in  den  süddeutschen  Ländern  nicht  an  gewerblicher  Tätigkeit.
Allein  selbst  reich  entwickelte  Gewerbe  hatten  zumeist  eine  andere  Organisation  als  in
Mittel-  und  Norddeutschland.  In  Süddeutschland  war  noch  nirgends,  wie  in  Norddeutschland, ­
  volle  Gewerbefreiheit  eingeführt;  es  gab  hier  selbst  in  Baden,  das  noch
die  bedeutendsten  Fabrikunternehmungen  aufzuweisen  hatte,  keinen  Landstrich,  in  dem
die  Fabrikation  alle  Verhältnisse  beherrschte,  wie  sie  im  Norden  Deutschlands,  im
Sächsischen  Erzgebirge,  in  der  preußischen  Rheinprovinz,  in  der  Gegend  um  Düsseldorf
und  Aachen,  in  der  Mark,  in  Westfalen  schon  seit  langem  bestanden.  Selbst  die  viele
Personen  beschäftigenden  Industrien  Süddeutschlands,  wie  die  Töpfereien  in  Bayern,
die  Holzarbeiten  im  Schwarzwald,  hatten  alle  nicht  den  Charakter  eigentlicher  Fabrik-
            
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