Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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auf alle mögliche Weise schädigte, so durch den Glückstädter Zoll, 
den Weserzoll, die Unterdrückung der Grönlandfahrt, die Nieder- 
lande, die in erster Linie durch solche Maßregeln getroffen wurden 
und wohl auch getroffen werden sollten, zu erneutem engen An- 
schluß an Schweden 1640 genötigt!). Das han delspolitische 
Ziel bestand in der Herstellung der Freiheit von Handel und 
Schiffahrt zwischen Nord- und Ostsee. Wenn daneben den Nieder- 
ländern Christian IV. verdächtig war als ein Anhänger Spaniens, 
so war das doch für die realpolitisch denkenden Kaufleute kein 
Grund einer feindlichen Stellungnahme; entscheidend war die von 
Dänemark ausgehende Schädigung des Ostseehandels und damit 
eines überaus wichtigen niederländischen Handelsinteresses. Als 
dann 1644 der schwedisch-dänische Krieg ausbrach, konnte nicht 
zweifelhaft sein, auf wessen Seite die niederländischen Sympathien 
standen. Vor einer offenen, kriegerischen Parteinahme scheute 
man jedoch zurück; man hoffte, durch politische und geschäftliche 
Manöver mehr zu erreichen und billiger davonzukommen als durch 
einen Waffengang. So schützte man die Schiffahrt durch Geleit- 
schiffe, insbesondere die Transporte des unentbehrlichen Viehs aus 
Holstein und Jütland; andererseits lieferte man Kriegsmaterial und 
Schiffe an beide Kriegführende, vorzüglich aber an das verbündete 
Schweden. Für den Kriegsausgang war diese Haltung der Nieder- 
länder entscheidend, die Niederlage der Dänen ihre Folge. Bei den 
Friedensverhandlungen zeigte sich jedoch alsbald, daß zwar die 
völlige Freiheit der Fahrt durch den Sund, wie sie Schweden für sich 
forderte, keineswegs den niederländischen Interessen entsprach, 
daß aber andererseits nur durch engeren Anschluß an Schweden der 
letzte Widerstand Dänemarks zu brechen war?). Diese Politik 
wurde von der Provinz Holland, in der Amsterdam die entscheidende 
Stimme hatte, betrieben und durchgesetzt gegen den Widerspruch 
Seelands, das dänenfreundlich war. Der Kampf um die Richtung 
der Ostseepolitik, die doch rein wirtschaftlichen Charakter an sich 
trug, verquickte sich damals mit dem Streit um einen anderen, 
wirtschaftlich nicht weniger bedeutenden Gegenstand. Die Provinz 
Holland hatte wiederholt und noch zuletzt 1644 auf die Sendung 
einer großen, durch Konvoischiffe geschützten Flotte in die Ostsee 
lı Kernkamp, Sleutels, S. 23 £. 
2?) Kernkamp, Ss. 166. 
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