Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Fünfter  Teil.
Verkehr.
I.  Zur  Geschichte  ües  Verkehrs.

1.  Das  Verkehrswesen  bei  den  Naturvölkern.
Von  Karl  Bücher.
Bücher,  Die  Wirtschaft  der  Naturvölker.  In:  Die  Entstehung  der  Volkswirtschaft.
Vorträge  und  Versuche.  8.  Ausl.  Tübingen,  H.  Laupp,  1911-  S.  75—78-Bei
  den  Naturvölkern  gibt  es  Verkehrswege  auf  dem  festen  Lande  nur  dann,
wenn  sie  der  Fuß  des  Menschen  oder  der  wilden  Tiere  getreten  hat;  die  einzigen
künstlichen  Anlagen,  um  den  Landoerkehr  zu  erleichtern,  sind  primitive  Brücken,  oft
nur  aus  einem  einzigen  Baumstamm  bestehend,  oder  Fähren  bei  Flußübergängen,
für  deren  Benutzung  der  Reisende  an  den  Dorfherrn  eine  Abgabe  zu  zahlen  hat,  die
in  der  Regel  zu  schweren  Erpressungen  Anlaß  gibt.  Dagegen  werden  die  natürlichen
Wasserwege  überall  fleißig  benutzt,  und  es  gibt  kaum  ein  Naturvolk  in  Meeresoder ­
  Flußlage,  das  nicht  auf  den  Gebrauch  irgendeines  eigentümlichen  Fahrzeuges  geführt ­
  worden  wäre.  Die  Aufzählung  und  Beschreibung  dieser  Vehikel  könnte  ein
ganzes  Buch  füllen;  von  dem  Einbaum  und  Rindenkahn  der  Indianer  bis  zu  den
kunstvoll  geschnitzten  Ruder-  und  Segelboten  der  Südseeinsulaner  sind  alle  Typen
vertreten:  im  ganzen  aber  ist  die  Technik  des  Schiffsbaues  und  der  Schiffahrt  bei
diesen  Völkern  doch  unentwickelt  geblieben;  keines  ihrer  Fahrzeuge  verdient  im  eigentlichen ­
  Sinne  den  Namen  eines  Schiffes,  und  so  sind  sie  denn  auch  zunächst  viel  mehr
als  Produktionsinstrumente  denn  als  Verkehrsmittel  anzusehen.  Sie  dienen  dein
Fischfang,  der  Piraterie,  dem  Krieg;  erst  später  erlangen  sie  einige  Bedeutung  für
den  Personenverkehr,  während  es  zu  einem  Güterverkehr  von  einigem
Belang  nirgends  gekommen  ist.
Merkwürdigerweise  ist  derjenige  Zweig  des  Verkehrswesens  bei  den  Naturvölkern ­
  am  reichsten  entwickelt,  der  uns  leicht  nur  als  Ergebnis  höchster  Kultur
möglich  erscheint:  der  N  a  ch  r  i  ch  t  e  n  v  e  r  k  e  h  r.  Ja,  er  bildet  die  einzige  Verkehrsart, ­
  für  welche  die  Naturvölker  dauernde  Organisationen  geschaffen  haben.
Ich  meine  das  Botenwesen  und  die  Fernsprecheinrichtungen.  Beide  sind  wesentlich
als  Mittel  primitiver  Regierungskunst  und  Kriegsführung  aufzufassen.
Die  Entsendung  von  Boten  und  Gesandtschaften  an  Nachbarstämme
im  Krieg  und  Frieden  führt  bereits  auf  sehr  niederer  Entwicklungsstufe  zur  Aus ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.