Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Fünfter  Teil.  Verkehr.  II.  Post.

Bei  der  ausschließlichen  Bestimmung  der  Post  zu  Staatszwecken  waren  im
römischen  Reiche  alle  Reisenden,  außer  den  Beamten  und  wenigen  Begünstigten,
genötigt,  selbst  für  ihre  Beförderung  zu  sorgen.  An  frequenten  Straßen  muß  das
Geschäft  der  Vetturini  sehr  blühend  gewesen  sein,  da  zu  allen  Zeiten  des  römischen
Altertums  sehr  viel  gereist  wurde,  erwähnt  aber  wird  es  äußerst  selten.  Cäsar,
der  mit  unglaublicher  Schnelligkeit  reiste,  soll  öfters  mit  einer  Mietskutsche  hundert
römische,  d.  h.  zwanzig  deutsche  Meilen  an  einem  Tage  zurückgelegt  haben,  was
ohne  öfteren  Pferdewechsel  undenkbar  ist.  Vornehme  und  reiche  Leute  reisten
natürlich  in  der  Regel  mit  eigenen  Wagen  und  Pferden,  und  selten  ohne  ein
großes  Gefolge.  Numidische  Vorreiter  eröffneten  den  Zug.  Der  herrschaftliche
Wagen  war  oft  ein  Prachtstück,  mit  Verzierungen  aus  Metall  überladen,  mit  seidenen
Vorhängen  vor  der  Sonne  geschützt,  von  wohlgefütterten  Maultieren  oder  kleinen
französischen  Ponys  gezogen,  die  purpurne  oder  gestickte  Decken  auf  den  Rücken
und  vergoldetes  Gebiß  im  Munde  trugen.  Eine  Reihe  von  Wagen  führte  die
unentbehrliche  Dienerschaft  und  das  unentbehrliche  Gepäck  nach.  In  Städten  und
Flecken  durften  angesehene  Personen  überall  auf  bereitwillige  Aufnahme  bei  den
Honoratioren  des  Ortes  rechnen;  überraschte  sie  aber  die  Nacht  auf  der  Landstraße,
so  schlugen  die  Sklaven  Zelte  auf  und  richteten  sie  wohnlich  ein.  Die  Gasthäuser
wurden  daher  in  der  Regel  nur  von  den  mittleren  und  unteren  Klassen  benutzt;
daher  scheinen  sie  sich  selten  über  den  Zuschnitt  der  Herbergen  erhoben  zu  haben,
die  den  Bedürfnissen  von  herumziehenden  Händlern,  Schiffern,  Maultiertreibern
und  Landleuten  entsprachen,  obwohl  es  auch  (namentlich  in  der  Nähe  besuchter
Landorte)  keineswegs  an  eleganten  und  komfortablen  Etablissements  fehlte.

2.  Jur  Geschichte  des  Kölner  Postwesens.
Von  Alexander  Wirminghaus.
Wirminghaus,  Das  Verkehrswesen  im  Gebiete  der  Stadt  Köln.  Köln,  Druck  von
M.  Dumont  Schauberg,  1903-  S.  59—63.
Köln  hat  als  eine  der  ältesten  Kulturstätten  des  Landes  von  jeher  am  Postwesen ­
  einen  bedeutenden  Anteil  genommen.  Indem  Köln  als  römische  Kolonie
einen  Knotenpunkt  derjenigen  großen  Straßenzüge  bildete,  die  in  damaliger  Zeit
den  besonderen  Zwecken  der  Militär-  und  Staatsverwaltung  ihre  Entstehung  verdankten, ­
  ergab  sich  hieraus  von  selbst  die  Wichtigkeit  des  Ortes  für  das  römische
Staatspostwesen,  dem  ja  jene  Straßenanlagen  besonders  zugute  kamen.  Eine
postalische  Einrichtung  im  modernen  Sinne  war  dieser,  übrigens  wohlgeordnete
und  das  ganze  große  Reich  umfassende  römische  „oursus  publieus"  freilich  schon
in  so  fern  nicht,  als  er  lediglich  den  Zwecken  der  Verwaltung  diente  und  die
Untertanen  von  seinen  Vorteilen  ausschloß,  ihnen  vielfach  sogar  durch  harte  Fronund
  Spanndienste  äußerst  lästig  fiel.  Anders  geartet  war  das  Nachrichtenwesen
des  Mittelalters,  wo  die  bedeutenderen  deutschen  Städte  eigne  reisende  Boten
unterhielten,  die  zunächst  für  die  Dienste  des  Rates  bestimmt  waren,  daneben  aber
auch  den  Kaufleuten  und  Privaten  gegen  Entgelt  zur  Verfügung  standen.  Ihre
politische  Selbständigkeit  gestattete  es  den  Städten,  in  gegenseitiger  Verbindung
diese  Einrichtung  planmäßig  auszubilden,  und  so  finden  wir  auch  in  Köln  schon
seit  dem  13.  Jahrhundert  ein  solches  Stadtbotenamt,  dessen  Aufgaben  durch  eine
besondere  Botenordnung  geregelt  waren.
Einen  erheblichen  Fortschritt  gegenüber  dieser  Organisation  des  Nachrichtenverkehrs, ­
  die  bei  der  damaligen  politischen  Zersplitterung  sehr  mangelhaft  bleiben
            
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