Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Fünfter  Teil.  Verkehr.  II.  Post.

Monarchie,  die  ein  nicht  minder  umfangreiches  Ländergebiet  unter  einer  Zentralregierung ­
  vereinigte.  Tenophon,  Herodot  und  andere  griechische  Schriftsteller  haben
diese  ihnen  ganz  fremde  Einrichtung  mit  Bewunderung  beschrieben.  Diese  Einrichtung, ­
  die  für  große  Despotien  unentbehrlich  war,  hat  sich  im  Orient  auch  in  späteren
Zeiten  erhalten;  in  Griechenland  hat  sie  natürlich  nie  existiert,  da  die  Kleinheit  der  einzelnen ­
  Kantone,  ihre  politische  Zerrissenheit  und  die  Natur  des  Landes,  in  dem  man  am
leichtesten  zur  See  kommunizierte,  den  Gedanken  dazu  nie  aufkommen  ließ.  Auch  die
römische  Republik  hat  das  Bedürfnis  nicht  empfunden,  dem  Begründer  der  Monarchie
stellte  es  sich  dagegen  als  ein  unabweisliches  dar.  Die  Hauptzwecke  der  von  ihm  ins
Leben  gerufenen,  von  den  späteren  Kaisern,  namentlich  von  Trojan  weitergebildeten
und  vervollkommneten  Reichspost  faßt  der  byzantinische  Geschichtsschreiber  Prokop
folgendermaßen  zusammen:  „Die  römischen  Kaiser  haben  diese  Einrichtung  in  der  Absicht ­
  getroffen,  daß  alles  ihnen  aufs  schleunigste  und  ohne  Verzögerung  gemeldet
würde,  sowohl  was  in  jedem  feindlichen  Lande  sich  ereignete,  als  auch  was  sich  in
den  Städten  des  Reiches  zutrüge,  sei  es  ein  Aufruhr  oder  eine  andere  unvorhergesehene ­
  Begebenheit,  desgleichen  was  die  Statthalter,  die  Beamten  und  alle  übrigen
Einwohner  in  allen  Teilen  des  römischen  Reiches  unternehmen,  endlich  damit  die
Sendung  der  jährlichen  Tribute  ohne  Aufenthalt  und  Gefährdung  vollendet  würde."
So  erst  wurde  Rom  in  der  Tat  der  Mittelpunkt  der  Alten  Welt,  von  dem  aus  man,
wie  von  einer  die  Ebene  beherrschenden  Höhe,  ihre  entferntesten  Teile  zu  übersehen
imstande  war.  „Der  Kaiser",  ruft  ein  griechischer  Schriftsteller,  der  Rom  in  der  Zeit
Marcus  Aurels  besuchte,  bewundernd  aus,  „leitet  die  ganze  Welt  aus  seinem  Kabinett.
Kaum  sind  seine  Depeschen  geschrieben,  so  sind  sie  auch  schon,  wie  von  Vögeln  getragen,
an  ihrem  Bestimmungsort."
So  überschwenglich  diese  Ausdrücke  der  Bewunderung  im  Zeitalter  der  Eisenbahnen ­
  und  Telegraphen  klingen,  so  natürlich  waren  sie  in  jener  Zeit.
Die  Einrichtung  der  Römischen  Reichspost  war  folgende:
Jede  Hauptstraße  war  in  Tagereisen  abgeteilt,  an  dem  Ende  jeder  Tagereise
befand  sich  eine  Station  (mansio,  wovon  das  französische  matecm).  Hier  waren
öfters  größere  Anlagen,  zum  Teil  mit  palastartigen  Gebäuden  für  die  Nachtquartiere
der  Kaiser  und  hohen  Beamten,  ausgestattet  mit  allen  luxuriösen  Bequemlichkeiten,
namentlich  Bädern.  Auf  jede  dieser  Hauptstationen  kamen  5—8  Umspannungsstationen ­
  (mutationes);  wo  möglich,  waren  sowohl  die  ersteren  wie  die  letzteren  in
Städte  und  Dörfer  verlegt.  Auf  jeder  Umspannung  stand  eine  Anzahl  von  Zugtieren ­
  bereit;  die  Zahl  vierzig,  die  einmal  angegeben  wird,  kann  man  wohl  nur  für
die  frequentesten  Straßen  annehmen.  Es  waren  Pferde,  Maultiere,  Ochsen,  Esel,  im
Orient  Kamele,  namentlich  in  Oberägypten,  wo  sich  die  Verteilung  der  Stationen  nach
den  Brunnen  und  Zisternen  richtete.
Außer  den  Zugtieren  befanden  sich  auf  den  Stationen  überall  die  nötigen
Wagen;  das  Dienstpersonal  bestand  aus  Staatssklaven.  Der  Dienst  war  ein  dreifacher,
für  Kuriere,  Eilwagen  und  Packwagen;  auf  den  ersteren  hatte  sich  die  ursprüngliche
Einrichtung  des  Augustus  beschränkt,  doch  hatte  er  selbst  später  noch  die  Beförderung
zu  Wagen  eingerichtet.  Die  Kuriere  hatten  die  Depeschen  hinter  sich  in  einem  Felleisen ­
  auf  dem  Pferde,  das  sie  auf  jeder  Station  wechselten.  Das  Gewicht  des  Felleisens ­
  war  anfangs  auf  30  Pfund  normiert,  wurde  aber,  als  die  Sitte  von  Reitsesieln
  aufkam,  auf  einen  Zentner  erhöht.  Gewöhnlich  nahm  der  Kurier  noch  ein,
zuweilen  mehrere  Beipferde  von  der  Station  mit,  auf  dem  zweiten  Pferde  ritt  ein
Postillion,  der  die  Pferde  wieder  nach  der  Station  zurückbrachte.  Die  Eilwagen
waren  dreierlei  Art.  Die  größten  hatten  im  Sommer  eine  Bespannung  von  acht,  im
Winter  von  zehn  Pferden  oder  Maultieren  und  durften  bis  zu  zehn  Zentnern  belastet
            
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