Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2. Zur Geschichte des Kölner Postwesens. 
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mußte, bedeutet das Aufkommen der Taxisschen Posten seit dem Anfang des 16. Jahr 
hunderts, durch welche das Postwesen, soweit es mit kaiserlichem Privileg in die 
Hände dieser Familie gelangte, zentralisiert und neben dem amtlichen auch der 
Privatverkehr auf eine umfassendere, internationale Grundlage gestellt wurde. Das 
Taxissche Postwesen faßte in Köln zuerst im Jahre 1577 festen Fuß, wo Johann 
Menzinger, Offizial des Kaiserlichen Postamtes zu Augsburg, von dem dortigen 
Postmeister Seraphin von Taxis als Postverwalter in Köln eingesetzt wurde. Sein 
Nachfolger war Jakob Henot, der zunächst von 1578—1603 dieses Amt bekleidete, 
allerdings mit Unterbrechungen und nicht dauernd in Taxisschen Diensten, denen 
er sich vielmehr dadurch entzog, daß er im Jahre 1586 mit Genehmigung des 
Kaisers Rudolf II. die Stellung als „Kaiserlicher Postmeister" annahm. Als solcher 
wurde er auch vom städtischen Rate anerkannt, während ihm von Taxisscher Seite 
zeitweise ein Johann Baptist Bosco entgegengesetzt wurde. Als im Jahre 1595 
die Taxisschen Posten als Reichsinstitution anerkannt worden waren, brachte es 
der gewandte Henot dahin, auch mit den Taxis wieder ins Einvernehmen zu 
kommen, wurde jedoch 1603 seines Amtes enthoben. Auf ihn folgte als von Taxis 
bestellter Kölner Postverwalter Johann von Coesfeld, der sich nunmehr auch 
Kaiserlicher Postmeister nennen durfte. Im Jahre 1623 gelang es dann wieder 
den energischen Bemühungen Henots, durch Kaiserlichen Entscheid die Zurücknahme 
seiner Amtsentsetzung herbeizuführen. Aber auch Coesfeld wich nicht, er blieb bis 
zu Henots Tode (1626) als Gegenpostmeister tätig, um dann von neuem als Post 
meister bestätigt zu werden. Diese Streitigkeiten der Postverwalter untereinander 
sowie ihr beiderseitiger unermüdlicher Kampf nicht nur gegen die „Metzger- und 
dergleichen eingeschlichene Nebenposten und Botenwerk"*), sondern auch gegen die 
noch bestehende städtische Botenanstalt kennzeichnen deutlich die Unsicherheit der 
damaligen postalischen Einrichtungen. Trotzdem waren die Verbindungen weit 
reichende und regelmäßige. Einer „General-Kölnischen Postordinanz" aus der Mitte 
des 17. Jahrhunderts ist zu entnehmen, daß das Kaiserliche Postamt in der Brücken- 
strahe sowie das städtische Botenamt auf dem Heumarkte an bestimmten Tagen nach 
allen Richtungen, auch im Verkehre mit dem Auslande, Briefe beförderten; daneben 
geschah dies noch von besonderen Boten, die zumeist im Dienste anderer Städte 
standen und den Verkehr mit diesen vermittelten, wobei die Absender die Briefe 
zu gewissen Zeiten der Woche in der betreffenden Botenherberge abliefern mußten. 
Übrigens dauerten die Zwistigkeiten der Kaiserlichen Post und des städtischen Boten 
amts untereinander fort, und dieser Jnteressenstreit wurde vermehrt und erweitert 
dadurch, daß im Jahre 1687 auch das Kurfürstlich Brandenburgische Postweseu 
zunächst durch Errichtung einer regelmäßigen Personen- und Paketfuhrgelegenheit 
zwischen Kleve und Köln in unserer Stadt auftrat und sich mit Genehmigung des 
städtischen Rates und des Kölner Kurfürsten schließlich auch als Preußische Post 
dauernd zu behaupten wußte, obwohl anfangs von anderer beteiligter Seite, ja 
selbst vom Kaiser gegen diesen Wettbewerb Einspruch erhoben wurde. Zu der 
Kurbrandenburgischen Post traten dann weiter auch noch einzelne, von Kurpfalz und 
Kurköln konzessionierte Landkutschen zur Beförderung von Personen und Paketen 
zwischen Köln und den Nachbarstädten. Im Jahre 1709 erhielt das Kaiserliche 
Postamt zum ersten Male dadurch eine feste Stätte, daß von Taxisscher Seite 
der alte Hürther Hof in der Glockengasse erworben wurde, der mit kurzer Unter 
brechung während der französischen Zeit bis zum Jahre 1893 Sitz der Kölner Post- 
*) Die Metzger, welche durch ihren Geschäftsbetrieb zu regelmäßigen weiteren Reifen 
mit Pferd und Wagen veranlaßt wurden, ließen sich bekanntlich in jener Zeit zur Beförderung 
von Briefen und sonstigen Sachen gerne in Anspruch nehmen.
	        
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