Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

11.  Das  Eisenbahnwesen.

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and  Manufacturers’  Association  in  Cincinnati  die  Propaganda  zur  Anlockung  von
Engros-Käufern  so  weit  treibt,  daß  sie  Leuten,  die  zu  Einkaufszwecken  in  die  Stadt
kommen,  die  Reisekosten  aus  der  Vereinskasse  ersetzt.

11.  Das  Eisenbahnwesen.
Von  Paul  Meesmann.
Meesmann,  Bericht  über  meine  Reise  nach  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika.
Vom  1.  September  bis  2.  November  1904.  sMainz  1905-1  S.  6—8.
Die  amerikanischen  Eisenbahnen  befinden  sich  ausschließlich  im  Besitz  von  Privatgesellschaften. ­
  Durch  die  Konkurrenz  dieser  Gesellschaften  sind  für  das  Publikum  vielfach ­
  große  Vorteile  erwachsen,  sowohl  im  Tarifwesen  als  auch  in  der  Beförderungsart
und  den  Beförderungseinrichtungen.  Was  zunächst  den  Güterverkehr  betrifft,
so  genießen  die  Amerikaner  bekanntlich  im  allgemeinen  die  billigsten  Frachtsätze  für
Rohstoffe.  Die  Güterwagen  sind  durchgängig  weit  größer  wie  in  Deutschland,  meistens
sah  ich  solche  von  ca.  60  000  Pfd.  Tragfähigkeit  (ca.  30  t)  mit  vier  Achsen,  doch
kommen  auch  Wagen  bis  zu  45  t  Tragfähigkeit  vor.  Die  Gestellung  ähnlich  großer
Wagen  in  Deutschland,  woselbst  man  bisher  nur  bis  zu  den  15  t-Wagen  gekommen
ist,*)  ist  bekanntlich  eine  alte  Forderung  der  Montanindustrie.  Im  übrigen  liegen
die  Verhältnisse  unseres  Verkehrs  wesentlich  anders  als  in  den  Vereinigten  Staaten,
so  daß  die  dort  getroffenen  Einrichtungen,  auch  insoweit  sie  sich  gut  bewährt  haben,
nicht  ohne  weiteres  auf  Deutschland  übertragen  werden  können.  Allgemein  eingeführt ­
  zu  sein  scheinen  das  Einpuffer-  und  das  Selbstkuppelungssystem,  deren  Einführung ­
  auch  unsere  Verwaltungen  bekanntlich  seit  längerer  Zeit  erörtern,  und  deren
Vorzüge  im  Prinzip  allseitig  anerkannt  sein  dürften.
Im  Personenverkehr  besteht  bekanntlich  nur  eine  Wagenklasse  durch
Gesetz,  tatsächlich  ergeben  sich  aber  Unterschiede  durch  die  Wagen  der  Pullmangesellschaft,
  die  in  jedem  Schnellzug  eingestellt  sind,  oder  aus  denen  auch  ganze  Züge  bestehen. ­
  Auf  den  Strecken,  die  ich  durchfuhr,  waren  auch  die  gewöhnlichen  Personenwagen ­
  durchgehends  von  guter  Beschaffenheit.  Sie  sind  allgemein  höher  und  geräumiger ­
  wie  die  deutschen  und  entsprechen  im  übrigen  etwa  unserer  zweiten  Klasse.
Für  Toiletten  und  Trinkwasser  ist  durchschnittlich  besser  gesorgt  als  bei  uns.  Ob  das
dort  eingeführte  Einraumsystem  (mit  80  Plätzen)  oder  unser  Coupäsystem  den  Vorzug ­
  verdient,  ist  eine  Geschmacksfrage,  die  hier  nicht  erörtert  werden  soll.  Für
Amerika  ist  jedenfalls  die  dortige  Einrichtung  schon  wegen  des  Fehlens  der  Klassenunterschiede ­
  die  beste.  Das  Publikum  gewöhnt  sich  dadurch  besser  an  gegenseitige
Rücksichtnahme,  und  in  der  Tat  habe  ich  unangemessenes  Betragen  einzelner  Fahrgäste ­
  nicht  beobachtet.  Überhaupt  fällt  im  Verkehr  zwischen  allen  Schichten  der
Bevölkerung,  auch  zwischen  Vorgesetzten  und  Untergebenen,  Beamten  und  Publikum,
eine  ruhige  Gleichmäßigkeit  bei  einfacheren  äußeren  Formen  angenehm  auf,  ebenso
eine  große  Geduld  des  Publikums  gegenüber  programmwidrigen  Zwischenfällen  des
Verkehrslebens.  Die  Beleuchtung  der  Wagen  geschieht  überwiegend  durch  Gaslicht, ­
  nur  in  einzelnen  Wagen  fand  ich  neben  Gas  elektrisches  Licht  vor.  Was  nun
*)  Jetzt  werden  auch  bei  uns  20  t-Güterwagen  eingestellt,  für  umfangreiche  und  schwere
Stücke,  z.  B.  Panzerplatten,  Schiffssteven,  Bergwerks-  und  sonstige  Anlagen  sogar  solche
von  30,  40,  50,  60  und  80  t  Tragfähigkeit.  Die  Verwaltung  der  öffentlichen
Arbeiten  in  Preußen  1900  bis  1910.  Bericht  an  Seine  Majestät  den  Kaiser  und
König  erstattet  von  dem  Minister  der  öffentlichen  Arbeiten.  Berlin,  Julius  Springer,  1911.
S.  60.  —  G.  M.
            
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