Bestimmung der wasserunlöslichen und -löslichen Fettsäuren usw.
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zur Hälfte mit heißem Wasser an und gießt erst dann die Flüssigkeit mit den Fett
säuren darauf. Man wäscht mit siedendem Wasser bis zu 2 1 Waschwasser aus,
wobei man stets dafür sorgt, daß das Wasser nicht vollständig abläuft.
Nachdem die Fettsäuren erstarrt sind, werden sie samt dem Filter in ein
Wägegläschen gebracht und bei 100° bis zum beständigen Gewichte getrocknet oder
in Äther gelöst, in einem tarierten Kölbchen nach dem Abdestillieren des Äthers
getrocknet und gewogen. Aus dem Ergebnisse berechnet man, wieviel Gewichts
teile unlösliche Fettsäuren in 100 Gewichtsteilen Fett enthalten sind, und erhält so
die Hehnersche Zahl.“
Zur Verseifung kann man natürlich auch Ätzkali statt des Ätznatrons verwenden.
Wenn weitere Untersuchungen mit den Fettsäuren angestellt werden sollen, so wendet
man entsprechend größere Substanzmengen an; ferner ist es, um eine Veränderung der
Fettsäuren zu verhüten, unter Umständen z. B. für Jodzahl-Bestimmungen erforderlich,
die ausgewaschenen Fettsäuren in Äther zu lösen, den Äther im Kohlensäurestrome auf
dem Wasserbade zu verdunsten und den Rückstand auch im Kohlensäurestrome bis zur
Gewichtsbeständigkeit zu trocknen.
Zur Bestimmung der sog. Neutralisationszahl der Fettsäuren, worunter die
Milligramm Kaliumhydroxyd verstanden werden, die zur Neutralisation vou 1 g der Fett
säuren erforderlich sind, löst man 3—5 g Fettsäuren in 60—100 ccm neutralisiertem Alkohol
und titriert unter Verwendung von Phenolphthalein als Indikator mit 1 / 10 Normal-Alkalilauge.
Die Neutralisationszahlen der Fettsäuren müssen, sofern wasserlösliche Fettsäuren
m nennenswerter Menge nicht vorhanden sind, theoretisch etwas höher liegen, als die Ver
seifungszahlen der Fette selbst.
Aus den Neutralisationszahlen (N) kann man das mittlere Molekulargewicht (M)
der Fettsäuren unter Berücksichtigung des Molekulargewichts des Kaliumhydroxyds (66,14)
und der Fettmengen, auf welche sich die Neutralisationszahl bezieht (1 g = 1000 mg), be
rechnen nach der Formel:
M : 56,14 = 1000 ; N oder M = ? 6 *~.
N
Nach Tortelli und Pergami 1 ) erhält man bei den Fettsäuren — mit Ausnahme
der Stearinsäure — etwas höhere Werte, wenn man die Verseifungszahl (vergl. S. 526)
bestimmt, als wenn man nur die Neutralisationszahl bestimmt, und zwar sollen diese Unter
schiede infolge Bildung innerer Anhydride oder Laktone um so größer sein, je älter die
hettsäuren sind. Dementsprechend sind dann auch natürlich die mittleren Molekular
gewichte um so kleiner, wenn man sie aus der Verseifungszahl berechnet, als wenn man
® le uns der Neutralisationszahl ableitet. J. Lewkowitsch 2 ) ist auf Grund seiner Versuche
der Ansicht, daß diese Angaben von Tortelli und Pergami zwar in vielen Fällen zu
treffend sind, aber z. Zt. noch nicht als allgemein gültige Regel angenommen werden
können.
b) Bestimmung des Molekulargewichts der flüchtigen wasser-
üslichen und der nichtflüchtigen wasserunlöslichen Fettsäuren. Hierfür
kaoen R. He nriques 8 ), K. Farnsteiner 4 ), A. Juckenack 6 ) und neuerdings
*) Chem. Revue d. Fett- u. Harz-Industrie 1902, 9, 182.
■tj ) J- Lewkowitsch, Chemische Technologie u. Analyse der Öle, Fette u. Wachse,
raunsohweig, p r . Vieweg & Sohn, 1905, 1, 369,
, w Chem. Revue d. Fett- u. Harz-Industrie 1898, 5, 169; Zeitschr. f. Untersuchung
■ Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 386.
j , T Ö Chem. Revue d. Fett- u. Harz-Industrie 1898, 5, 195; Zeitschr. f. Untersuchung
• Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 386.
d tv i Cllem - Levue d. Fett- u. Harz-Industrie 1899, 6, 112; Zeitschr. f. Untersuchung
• Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 8, 112.
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage. 34