13. Das Post-, Fernsprech- und Telegraphenwesen.
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Konkurrenzunternehmungen über Teilung des Verkehrs zu verständigen. Es waren
insbesondere die gewaltigen Tarifkriege der Jahre 1874—1877, in denen die mächtigen,
westöstlichen Hauptbahnen durch Schaden. klug wurden und zum ersten Male zum
Abschluß von Verbandsverträgen übergingen, die den Namen pool zuerst im Volks
munde, später von den Eisenbahnen selbst erhielten. Dieser Name ist dem Hazard-
spiel entlehnt. Er bedeutet so viel als Einsatz beim Spiel. Im Publikum stellte
man sich — vielleicht auch des Namens wegen — unter diesen Verträgen etwas sehr
Schlimmes vor. Man sah in ihnen heimliche Verträge früherer Gegner zur Aus
beutung des Publikums, man befürchtete eine weitere Kräftigung der Eisenbahn
monopole, verglich sie mit den Trusts, den Ringen, den Syndikaten, und die Mono
polbekämpfungsvereine richteten ihre Bestrebungen auch auf Beseitigung der pool».
Nur eine Minderzahl einsichtiger Männer verteidigten diese Verbände; sie wiesen
nach, daß die durch sie herbeigeführte größere Stetigkeit und Öffentlichkeit der Tarife
auch dem Publikum von Nutzen, daß die Befürchtung einer Stärkung der Monopole
unbegründet sei.
Bis zum Erlaß des Bundesverkehrsgesetzes vom 4. Februar 1887 hatten die
Eisenbahnen im Abschluß der pool» tatsächlich freie Hand, wenn auch von einigen
Seiten die rechtliche Zulässigkeit solcher Verträge in Zweifel gezogen wurde. Bei den
Vorverhandlungen über den Entwurf dieses Gesetzes spielte die Frage der pool» eine
entscheidende Rolle. Der vom Senate im Jahre 1886 beschlossene Entwurf einer
Interstate Commerce Act ging von der Zulässigkeit der pool» aus, nachdem sich
der vom Senator Cullom geleitete Ausschuß zur Ausarbeitung eines solchen Gesetzes
ausdrücklich zugunsten der pool» erklärt hatte. Das Repräsentantenhaus nahm in
diesen Entwurf eine Bestimmung über das Verbot der pool» auf. In dem aus
Mitgliedern beider Häuser bestehenden Covckereuce Committee verständigte man
sich dann dahin, daß die pool» verboten werden sollten, während das Repräsentanten
haus das Zugeständnis der Einsetzung des Bundesverkehrsamtes, das der Senat im
Widerspruch zum Repräsentantenhaus gewünscht hatte, machte. Auf diese Weise ist
der ß 5 des Bundesverkehrsgesetzes, die sog. Antipooling Clause, entstanden.*)
13. Das Post-, Fernsprech- und Telegraphenwesen.
Von Paul Meesmann.
Meesmann, Bericht über meine Reife nach den Vereinigten Staaten von Nord
amerika. Vom 1. September bis 2. November 1904. Mainz, 1905.) S. 8—10.
Das P o st w e f e n der Vereinigten Staaten ist bekanntlich Monopol des
Bundes, und sonach sind die postalischen Einrichtungen in allen Staaten gleich. Die
Tarife und die Beförderungsbestimmungen sind in kleinen handlichen Heftchen zu
sammengestellt, die an den Schaltern unentgeltlich abgegeben werden. An der Spitze
der Postverwaltung steht ein Generalpostmeister in Washington, ihm unterstehen eine
Anzahl von Inspektoren, welche das Land bereisen, und ferner die Postämter der ein
zelnen Städte und Bezirke. Zwischenbehörden gleich unseren Oberpostdirektionen
*) § 5 des Bundesverkehrsgesetzes vom 4. Februar 1887 ist auch durch die beiden
Novellen vom 29. Juni 1906 und vom 18. Juni 1910 nicht berührt worden, von der Leyen,
Der neueste Stand der Bundesgesetzgebung über das Eisenbahnwesen der Vereinigten Staaten
von Amerika. In: Archiv für Eisenbahnwesen. Herausgegeben vom Königlich Preußischen
Ministerium der öffentlichen Arbeiten. 35. Jahrgang. Berlin, Julius Springer, 1912.
S. 1—39, des. S. 10 f. und S. 18 «Text des § 5 in Übersetzung). — G- M.