Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

14. Der Panamakanal. 
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Teil wird wahrscheinlich der alten Route treu bleiben. Namentlich werden die 
Segelschiffe auch fernerhin um Kap Horn fahren. Für Dampfschiffe werden sich 
vermutlich auch einige wirkliche Rundreisen: hin durch die Magellanstraße, zurück 
durch den Kanal oder umgekehrt ausbilden. 
Von Nordamerika aus dagegen wird der Verkehr nach dem Norden 
zumal, aber auch nach dem Süden fast ausschließlich sich des Kanals bedienen, d. h. 
der Verkehr, welcher sich erst infolge des Kanals zu entwickeln haben wird; denn 
heute ist die amerikanische Schiffahrt nach Südamerika ganz ohne Bedeutung und 
im Norden auch nicht der Englands und Deutschlands gewachsen. Es bleibt abzu 
warten, ob Amerika gegen diese Konkurrenz eine Handelsflotte zu entwickeln vermag, 
ob das auf allen anderen Gebieten beliebte System des staatlichen Schutzes und 
staatlicher Subvention sich auch hier bewähren wird. Der Schatzsekretär Shaw 
hat schon vorausblickend in einer Rede in der New Porker Handelskammer, wenn 
es ohne solche nicht gehe, eine kräftige staatliche Unterstützung der Handelsflotte in 
Aussicht gestellt. 
Ferner wird viel davon abhängen, ob der von vielen erwartete Strom nord 
amerikanischer Einwanderung und nordamerikanischen Kapitals sich durch den 
Panamakanal nach dem Westen Südamerikas ergießt. Für die wirtschaftlichen Ver 
hältnisse der dortigen Republiken kann das nur von Segen sein, und ein Teil dieses 
Segens würde dann auf alle Fälle den dort Handel und Schiffahrt treibenden Euro 
päern zugute kommen. Man nimmt an, daß das amerikanische Kapital sich namentlich 
der Erschließung der Gummidistrikte und Minen des Hinterlandes zuwenden wird, 
das noch wirtschaftlich ganz unentwickelt ist. — Schnell kann diese Entwicklung sich 
jedoch nicht vollziehen, denn was heute namentlich fehlt, sind Arbeitskräfte. — Eine 
Vermehrung der arbeitenden Bevölkerung ist aber nicht von heute auf morgen zu 
erzielen; amerikanisches Kapital und Unternehmertum ist nur einer der Faktoren. 
Natürlich würde eine Invasion nordamerikanischen Kapitals auch eine Zu 
nahme der amerikanischen Konkurrenz bedeuten; doch würde diese jedenfalls zum 
Teil durch die allgemeine Belebung von Handel und Verkehr wettgemacht. 
Übrigens macht sich auch jetzt schon im Handel mit Südamerika die steigende 
Konkurrenz der Vereinigten Staaten geltend, namentlich in Eisen- und Kurzwaren, 
Maschinen, billigen Glaswaren, Textilstoffen, Papier- und Manufakturwaren und 
Lebensmitteln. Selbst das amerikanische Bier wird in imitierten deutschen Auf 
machungen dorthin exportiert. Von vielen deutschen Kaufleuten wird trotzdem die 
amerikanische Konkurrenz vorläufig recht kühl betrachtet. Der Nordamerikaner ist 
ein guter Spekulant, der große einmalige Gewinne zu erspähen und einzuheimsen 
weiß, aber kein Kaufmann, wie er in Südamerika erforderlich ist, mit viel Geduld, 
Nachsicht und Langmut im Kreditgeben. Außerdem ist derjenige, der mit den 
Eigentümlichkeiten des Landes und seiner Bewohner vertraut ist, demjenigen not 
wendig überlegen, der als Neuling hier eindringen will. 
Da die Nordamerikaner von Norden, die Europäer dagegen vorwiegend vom 
Süden oder allenfalls vom Osten her kommen, so ist es wahrscheinlich, daß die beider 
seitigen Interessensphären sich mit der Zeit dementsprechend scheiden werden, wenn 
auch natürlich nicht durch eine scharfe Linie. Schon heute überwiegt im Süden, in 
Chile und Bolivia, der europäische Einfluß, während in Peru das amerikanische 
Element sich sehr bemerkbar macht. Dieser Unterschied des Nordens und Südens 
wird sich dann vermutlich noch schärfer ausprägen. 
Im allgemeinen darf man wohl sagen, daß der Panamakanal den europäischen 
Interessen in Südamerika im ganzen nichts schaden wird, wenn wir uns auch gerade 
hier auf einen lebhaften Kampf mit der Union rüsten müssen. Die politische
	        
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