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Die Gründer der heutigen Schulen
wird sein, daß dieses so nach und nach in den Besitz der
Arbeitersyndikate übergeht“ 4 ).
Weniger als die auf die Kategorie Arbeit bezüglichen
Fragen sind die beiden andern Kategorien der sozialkatholischen
Wirtschaftslehre: Eigentum und Tausch oder Kredit bis heute
ausgebaut.
„Das Eigentum,“ schreibt de la Tour du Pin, „ist nicht
wie die römischen Juristen lehrten, das Recht vollkommener
Herrschaft einer Person über eine Sache unter Ausschluß aller
andern, sondern wie die Doktoren des Mittelalters sagten : die
Frucht einer in der Gesellschaft vollführten Arbeit, . . . welche
zwar ein Verfügungsrecht des Besitzers über jene Frucht, aber
auch eine Pflicht desselben der Gesellschaft, d. h. den Armen
daran Anteil zu gewähren, begründet“ 2 ). „Die Armen haben
ein gewisses, natürliches Recht an den von andern angeeigneten
Gütern, und zwar in dem Maße, als ihre Existenzmittel von
denselben ausschließlich abhängig sind“ 3 ). Das Eigentum ist
demnach eine soziale Funktion.
Das ist nach de la Tour du Pin die christliche und
einzig wahre Auffassung des Eigentumsrechtes. Der Liberalis
mus aber hat den Eigentumsbegriff gefälscht, das Eigentum in
Frage gestellt, indem er nicht zwischen unbeweglichem und be
weglichem Eigentum unterschied und beide durch Aufteilung
der Güter der toten Hand und der Familiengüter zu mobili
sieren sich unterfing 4 ).
Was endlich die Lehre vom Tausch oder Kredit betrifft,
so gipfelt sie natürlich in den schärfsten Anklagen gegen
die kapitalistische Wirtschaftsordnung, welche die Verallge
meinerung des Zinses und das Überwuchern der Spekulation
erzeugte. Die natürliche Ordnung des Tausches beruht auf der
Äquivalenz der ausgetauschten Güter oder, wenn man das
*) ibid. p. 155—156. Eine ausführliche Schilderung von der Art und
Weise, wie der Übergang aus der individualistischen Wirtschaftsordnung in die
korporative der Zukunft sich vollziehen wird, bietet der Artikel: L,e Glas d'un
Regime, von de la Tour du Pin. Association Catholique, Februar 1892, ab
gedruckt in: Vers un Ordre Social Chrétien, p. 149 ff.
2 ) ibid, p. 210, 262.
3 ) ibid. p. 62.
4 ) ibid. p. 210.