III. Teil.
Die katholischen und verwandten Schulen in der
Gegenwart.
In der Gegenwart haben wir zu unterscheiden :
A. Bei den Nichtinterventionisten: die beiden Le Play-
schulen, welche man nach dem Titel ihrer beiderseitigen Zeit
schriften die Schule der Réforme sociale und die der Science
sociale zu benennen pflegt; dazu die sogenannte Schule von
Angers, das sind die liberalen Katholiken.
B. Bei den Sozialkatholiken: einen rechten, feudalen Flügel;
einen linken, demokratischen, zu dem wir neben den christlichen
Demokraten oder katholischen Sozialisten die Gruppe des Sillon
zu rechnen haben; endlich ein von Tag zu Tag erstarkendes
Zentrum, welches eine bunte Menge verschiedener Nuancen inter
ventionistischen Denkens beherbergt.
Die Sozialkatholiken lieben es, die nichtinterventionistischen,
katholischen Gruppen als Konservative zu bezeichnen, weil sie
an der individualistischen Wirtschaftsordnung festhalten. Sich
selbst nennen sie mit Vorliebe Sozialreformer. Sie unterhalten
Beziehungen mit den historisch-ethischen Nationalökonomen an
den Universitäten. Zwischen der Le Play sehen Schule der
Réforme sociale und der Schule von Angers bestehen oder rich
tiger bestanden, da letztere im Absterben ist, vielfache Personal
unionen. Ähnliche intime Beziehungen verbinden beide mit
der liberalen Schule. Die Le Play sehe Schule der Science
sociale bildet dagegen eine kleine, abseits stehende Gruppe, die
aber auf die Öffentlichkeit im In- und Auslande einen größeren
Einfluß ausübt als die orthodoxe Le Play schule.
de Waha, Die Nationalökonomie in Frankreich.
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