Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  christlichen  Sozialisten

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Ausbau  ermahnt.  In  der  Enzyklika  Graves  de  communi  vom
18.  Januar  1901  hält  der  Papst  allerdings  an  dem  Ausdruck
Demokratie  zur  Bezeichnung  dessen,  was  die  Sozialkatholiken
anstreben  sollen,  fest.  Aber  er  versucht  den  Schwerpunkt  der  Bedeutung ­
  des  Ausdruckes  zu  verlegen,  indem  er  ihm  den  üblichen
Sinn  einer  politischen  Staatsverfassung  nimmt  und  ihn  definiert
als  „nichts  anderes  denn  ein  christliches  Wohltun  im  Volke“
Die  christlichen  Demokraten  in  Frankreich  nahmen  diese  Enzyklika ­
  enthusiastisch  auf;  Abbé  Six  veröffentlichte  alsbald  in
der  Démocratie  chrétienne  eine  Artikelserie  (März  bis  April
1901),  in  welcher  er  resolut  den  Gedanken  der  politischen  Demokratie ­
  zugunsten  der  vom  Papste  bezeichneten  sozialen  in  den
Hintergrund  stellt,  und  P.  Antoine  8.  J.  gab  der  Doktrin  der
Gruppe  eine  der  Enzyklika  angepaßte  neue  Fassung.  Es  ist
nicht  zu  leugnen,  daß  die  Taktik  der  christlichen  Demokraten,
die  Enzyklika  „Graves  de  communi“  für  sich  in  Anspruch  zu
nehmen  und  sich  mit  derselben  zu  identifizieren,  ihnen  Zuwachs
von  Anhängern  und  Einfluß  brachte.  Indem  sie  sich  fortan
ausschwiegen  über  das  Postulat  der  republikanischen  Staatsform
als  derjenigen,  welcher  sich  die  christliche  Demokratie  am  besten
anpasse,  und  über  die  Anschauung,  daß  die  gesellschaftliche
Stellung  eines  jeden  ausschließlich  durch  seine  persönliche
Tüchtigkeit  und  seine  persönlichen  Leistungen  bestimmt  sein
dürfe,  kamen  sie  der  Einheitsbewegung,  der  Konzentration  im
sozialkatholischen  Lager  entgegen.  Die  Anschauungen  Bûchez’
und  Otts,  welche  sich  ja  weitaus  mit  denen  von  de  la  Tour
du  Pin  und  de  Mun  decken,  vertraten  die  katholischen  Sozialisten ­
  aber  auch  fernerhin  mit  Entschiedenheit  r  korporative
Organisation  der  Volkswirtschaft,  Vergenossenschaftlichung  der
Produktionsmittel,  Beseitigung  der  Lohnarbeit  und  besonders
die  historische  Auffassung  des  Wirtschafts-  und  Gesellschaftslebens. ­

Mittlerweile  bestieg  ein  neuer  Papst  den  Stuhl  Petri,  und
dieser  ließ  es  sich  angelegen  sein,  dem  Aufblühen  des  katholischen ­
  Sozialismus  alsbald  Riegel  vorzuschieben.  Das  Motu  proprio ­
  Pius’  X.  vom  18.  Dezember  1903  schrieb  den  Katholiken
Einheit  der  sozialen  Bewegung  und  Einheit  der  sozialen  Lehre
vor  und  zog  scharf  gegen  alle  Sonderbestrebungen  zu  Felde.
Man  sollte  glauben,  damit  sei  der  rechte  Flügel  der  Feudalen
            
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