in die dunkle Landschaft, bis sein Hornruf und das Frühgeläut der
kleinen Glocken das Anbrechen eines neuen Arbeitstages verkündeten.
Doch was bedarf es weiterer Schilderung!
Hat doch Richard Wagner unserer Phantasie das Leben der
mittelalterlichen Stadt mit all seinem freundlichen Zauber und Glanz
in den „Meistersingern“ lebendig genug hingestellt:
Wie friedsam treuer Sitten
getrost in Tat und Werk
liegt nicht in Deutschlands Mitten
mein liebes Nürenberg!
Und diese Meistersingerzeit zeigt uns weiter deutlich, welche Be—
deutung das Bürgertum damaliger Zeit für die Kulturentwickelung
Deutschlands gehabt hat.
Wie kann die Kunst wohl unwert sein?
Daß unsere Meister sie gepflegt,
grad' recht nach ihrer Art,
nach ihrem Sinne treu gehegt,
das hat sie echt bewahrt;
im Drang der schlimmen Jahr'
blieb sie doch deutsch und wahr!
Was wollt ihr von den Meistern mehr?
Zerfällt erst deutsches Volk und Reich
in falscher welscher Majestät,
kein Fürst dann mehr sein Volk versteht,
und welschen Dunst mit welschem Tand
sie pflanzen uns ins deutsche Land.
Was deutsch und echt, wüßt' keiner mehr,
lebt's nicht in deutscher Meister Ehr'‘
Wie gewichtig ist allein die einzige Stadt Nürnberg für deutsche
KZultur gewesen. Denken wir nur an die Namen ihrer Bürger:
Albrecht Dürer und Peter Vischer, Veit Stoß und Adam Kraft,
Hans Sachs und Wilibald Pirkheimer, Veter Flötner und
Peter Henlein.
Das Bürgertum, und kein anderer Stand, war auch in diesen
Zeiten der Kulturträger. Ja, als es, seit etwa 1450, in politischer
Beziehung zu sinken begann, steigert sich seine Bedeutung für die geistige
Kultur jener Tage noch zu hoher Blüte.
Ist auch der Grundzug der städtischen Kultur jener Zeit — bei gewiß
auch sonst vielen Schwächen — mehr materieller Art und kann diese
sich auch nicht mit dem glänzenden geistigen und künstlerischen Leben
talienischer Städterepubliken jener Tage messen, so hatte sie doch das
Bedeutende vor unserer heutigen voraus, daß sie, eben wie die Wohl—⸗
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daß sie einen einheitlichen Charakter trug.