11. Der Markt von Lübeck
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111) Die Differenz dieser Zahl zu der S. 65 angeführten Gesamtzahl der Verkaufsmöglich-
keiten auf dem Markt ergibt sich aus dem in Anm. 108 genannten Grunde: 7 Verkaufsplätze,
aber nur noch 2 Krämer; sowie dem Ausfall der 3 Buden X 250 A—C. Vgl. vorige An-
merkung.
12) Auch in Lübeck gab es einige Nebenmärkte, wenn ihnen auch nicht die Bedeutung
zukam wie etwa in Köln (vgl. Kuske, a. a. O. S. 110ff). Z. B. den Salzmarkt auf dem
Klingenberg. Auf ihm waren 1291 nach einer amtlichen Aufzeichnung 42 der Stadt
abgabepflichtige Personen tätig (St.A. Lübeck. Beiblatt im Kämmereiheft der Jahre
1287/97, f. 24: de foro salso). Was bisher über sie bekannt geworden ist, reicht nicht aus,
um ein übersichtliches, namentlich die so wichtige zeitliche Differenzierung berücksichti-
gendes Bild zu geben. Vgl. J. Hansen, Beiträge zur Geschichte des Getreidehandels
und der Getreidepolitik Lübecks, 1912, S. 6lff., und H. Lagemann, Polizeiwesen
und Wohlfahrtspflege in Lübeck, 1916, S. 206ff. Mit diesen Sondermärkten hat die
Unternehmerperiode kaum mehr etwas zu tun.
13) Also ganz wie in Köln (vgl. die Zusammenstellung bei Keutgen,a.a. O. S. 141)
und in Osnabrück, nur daß dort das Metallgewerbe zu fehlen scheint. Philippi, Zur
Verfassungsgeschichte der westfäl. Bischofsstädte, 1894, S. 12.
‘M4) Für Köln weist R. Dörner im Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 3,
S. 13f., für das Rüstungsgewerbe sowohl das Nebeneinanderwohnen wie auch die Be-
nutzung nebeneinanderliegender Verkaufsplätze auf dem Markte nach; beides läßt er —
im Anschluß an v. Loesch — aus dem eigenen Antrieb der Beteiligten erfolgen, dem
Wunsche entspringen, sich neben den Fachgenossen anzusiedeln,
15) Im 14. Jahrhundert konzentriert sich der Handel mit Metallwaren — mit Ausnahme
der an den Markt gebundenen Goldschmiede und Nädler — immer mehr in der Nähe der
Schmiedewerkstätten. Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts ist die ganze Ecke Holsten-
straße— Hinter St. Petri (a. Nr. 293—298) von Schmieden und verwandten Gewerben
mit Beschlag belegt. Als erste nachweisbare Eigentümer des nicht weniger als 4 bodae
Fabriles — offenbar Verkaufsbuden — umfassenden Eckhauses a. Nr. 296 begegnen die
Hildemar; bei dem in 2 Schmiedebuden zerfallenden Haus a. Nr. 298 die Attendorn.
Im gegenüberliegenden, aus 5 Buden bestehenden Budenhaus a. Nr, 183/184, dessen
Eigentümer 1288 der Ratsherr Willekin Bruno ist, sind im 14. Jahrhundert in 2 Buden
stalmenger (Eisenhändler), ferner helmsleger und tomsleger nachweisbar. 2 weitere
stalmenger sitzen bereits um das Jahr 1300 Holstenstraße a. Nr. 181 und 182 A. 1311
gelangt nun auch die benachbarte Marktbude 232 B in das Eigentum des sehr begüterten
stalmengers Volmar von Duderstadt. Sein Nachfolger in dieser und der Nachbarbude
232 A wurde der stalmenger Bernard Stekemest, dessen Testamente von seinem Wohl-
stand, zugleich aber von seinem Fernhandel nach Flandern zeugen. Sein Wohn-
haus war getrennt von seinem Geschäftslokal. 1382 gelangten endlich die Buden 233/234 A
des Blocks II in das Eigentum des Otto heimsleger: Also vom Markt an bis weit hinunter
in die Holstenstraße lauter Metallhandel. Im 14. Jahrhundert wird auf diese Weise die
Kreuzung Holstenstraße — Schüsselbuden — Kohlmarkt — Schmiedestraße der Mittel-
punkt des Metallhandels; wo sich ja auch der für die Schmiede wichtige Kohlenhandel
befand. Im 15. Jahrhundert (1483) wird unter dem Drängen der Schmiede den stalmen-
gern ihr gewinnbringender Handel mit auswärtigen Waren unterbunden, ihre Zahl auf
d beschränkt. Wehrmann, S. 411f.
46) Vgl. Anm. 1 auf S. 105.
27) Pauli, Zustände I, S. 48, und Höhler, a. a. O0. S. 60.
8) Der deutsche Markt im Mittelalter: Deutsche Literaturzeitung 1917, bes. Sp. 976,
(019. — Auch K. Rathgen vertritt den allgemeinen Marktzwang: Handwörterbuch
der Staatswissenschaften, 3. Aufl., Band 6, S. 595. — Der Artikel „Märkte und Messen“
in der 4. Auflage des Handwörterbuchs, bearbeitet von R. Pantlen, kennt weder die
Arbeit von W, Spieß, Das Marktprivileg, noch meinen „Markt von Lübeck“.