Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Der Solidarismus 
beschränke, indem er ihr einen streng rechtlichen Charakter 
gebe, d. h. indem er sie ans die Interpretation frei zugestandener 
Verträge reduziere 1 ). In der Vorrede, welche Bourgeois zu 
Buissons Buch „La Politique radicale“ schrieb, weist er darauf 
hin, daß der Solidarismus sich im Assoziationismus ebensogut 
und besser verwirklichen könne, als im Interventionismus. Den 
Beweis dafür finden wir, wie wir gleich sehen werden, in den 
Schriften von Charles Gide. 
Der Eindruck, den uns Bourgeois’ auf der Idee vom 
Quasikontrakt fußender Solidarismus zurückläßt, ist der einer 
mit vollendetem Geschick aufgeputzten Programmidee, die etwas 
ungemein Bestechendes für die Zeitgenossen hat. Sie bleibt bis 
auf weiteres ein wirksamer Resonanzboden für das radikal 
sozialistische Parteiprogramm. 
3. Kapitel. 
Der Solidarismus bei Charles Gide. 
Charles Gide, Inhaber des von der Gräfin de Chambrun 
gestifteten Lehrstuhles für Sozialökonomie an der Rechtsfakultät 
in Paris, ist der Vorkämpfer eines Solidarismus, dessen kühnes 
Endziel die Vergenossenschaftlichung des Wirtschaftslebens ist. 
Gide war einer der ersten Professoren der Nationalökonomie 
an den juristischen Fakultäten, welche nach der Reform von 
1878 der liberalen Schule entgegen traten. Von allen seinen 
. Kollegen hat er wohl die Methode des deutschen Historismus 
am vollkommensten sich angeeignet. Er hat sie jedoch nicht 
bei den deutschen Nationalökonomen gelernt; Roscher, den er 
als Student las, schien ihm sogar ganz unverdaulich. Seine 
Lehrmeister waren die Soziologen von A. Comte bis Renouvier, 
Secrétan und Fouillée, die deutschen historischen Juristen, Stuart 
Mill und Charles Fourier. In den jüngsten Auflagen seiner Werke 
tritt der Einfluß Marshalls zunehmend zu Tage 2 ). 
1) Bourgeois, Essai d’une Philosophie de la Solidarité, p. 92. — Brunet, 
loe. eit. p. 77. 
2 ) Von Gides Werken nennen wir: Principes d’Economie politique, zuerst 
Paris 1883, 11. Auflage 1908. — Davon Übersetzungen ins Englische (2. Aud., 
Boston 1904), Polnische (2. Aufl., Krakau 1900), Tschechische (Prag 1894), 
Spanische (Madrid 1896), Russische (Petersburg 1896), Schwedische (2. Aufl.,
	        
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