Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Der Solidarismus bei Charles Gide 
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auftretenden Menschen ergibt, begegnet er mit dem Hinweis, 
daß die nämlichen Gründe im Durchschnitt vernünftig denkende 
Menschen zu den nämlichen Handlungen bestimmen. Und er 
bekennt sich zu Marshalls Definition: „Ein soziales Gesetz ist die 
Feststellung, daß eine bestimmte Verhaltungsweise unter be 
stimmten Umständen von den Gliedern einer sozialen Gruppe 
erwartet werden kann“ 1 ). Ja, die Gewißheit der Voraussicht ist 
sogar häufig größer in wirtschaftlichen Dingen, als beim Natur- 
geschehen. „Man kann das Eintreten einer Handelskrise länger 
vorher sagen, als das Losbrechen eines Zyklons, und der Ver 
kehr auf der Eisenbahn von Lyon nach Marseille ist weniger 
veränderlich als die Wassermenge des Rhône, dessen Ufern ent 
lang die Bahn fährt : dennoch wird diese von Menschen, der Fluß 
aber vom Himmel gespeist“ 2 ). Wenn jedoch im allgemeinen 
unsere Voraussicht in wirtschaftlichen Dingen wie bei vielen 
Naturerscheinungen immer kurzsichtig und unsicher ist, so ist 
der Grund dafür nicht die Freiheit des menschlichen Willens, 
sondern unsere mangelhafte Kenntnis der Ursachen der Er 
scheinungen 3 ). 
In der Wertlehre ging Gide ursprünglich von der An 
schauung aus, der Wert eines Gutes werde durch die zu dessen 
Herstellung benötigte Arbeit bestimmt. Eigene Tatsachen 
beobachtung sowohl, als das Bekanntwerden mit den Werken 
der Österreicher und Paretos, brachten ihn jedoch der Theorie 
vom Grenznutzen immer näher. Heute entscheidet er sich fin 
den Standpunkt Marshalls, der, davon ausgehend, daß die wirt 
schaftlichen Güter als Bedürfnisbefriedigungsmittel und als 
Resultat von Arbeit anzusehen sind, die Grenznutzen- und die 
Arbeitstheorie nebeneinander bestehen läßt 4 ). 
J ) A. Marshall, Handbuch der Volkswirtschaftslehre, übersetzt von Ephraim 
und Salz, Stuttgart 1905, Bd. I, p. 87. 
*) Ch. Gide loe. cit. p. 7. 
8 ) ibid. p. 8. 
4 ) Vgl. Marshall, loe. cit. II. Buch, p. 98 ff. — Folgende Stellen aus 
Gides jüngstem Werk veranschaulichen seine nunmehrige Stellungnahme in der 
Wertfrage: „Muß man unbedingt zwischen beiden (der Arbeite- und der Greuz- 
nutzentheorie) wählen?- 4 fragt er. Die Antwort lautet: „Nein, denn jede der 
beiden Theorien stellt eine Seite der Wahrheit dar. Warum sollte der Wert 
nicht zwei Seiten, zwei Pole haben? Wir müssen die grobe Idee, die 
Arbeit schaffe den Wert, beiseite stellen; aber wir müssen annehmen, daß die
	        
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