Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die Nationalökonomie bei den Philosophen und Soziologen 
Die Ideen, die Anschauungen breiten sich viel rascher aus, 
als die Begehren und Bedürfnisse. Jeder Umwälzung der Ge 
wohnheiten und Sitten geht darum eine Umwälzung der An 
schauungen voraus. Es ist ein Glück, daß dem so ist, daß der 
Mensch sich Gedanken leichter aneignet, als Begehren. Denn 
durch die Ähnlichkeit ihrer Gegenstände bringen unsere Be 
gehren uns in Gegensatz und Kampfstellung unsern Mitmenschen 
gegenüber; die Ähnlichkeit der Gedanken dagegen ist eine der 
mächtigsten Ursachen von Harmonie unter den Menschen 1 ). 
Die wichtigsten Faktoren der Verbreitung der Anschau 
ungen sind die Presse, die Reklame und die Konversationen. 
Letztere insbesondere darf der Volkswirt nicht außer acht lassen. 
Es gibt keine wirtschaftliche Beziehung, die ohne Austausch 
von gesprochenem oder geschriebenem Wort zwischen Menschen 
sich entwickelte. „Wenn auch nur acht Tage lang die Kon 
versationen in Paris verstummten, so würde das Wirtschafts 
leben ins Stocken geraten. Es gibt keinen mächtigern Weg 
weiser des Konsums und folglich keinen mächtigern, wenn auch 
indirekten Produktionsfaktor, als das Plaudern der Individuen 
in ihren Mußestunden 2 ).“ 
Die Ausbreitung der Verbrauchsbedürfnisse geht auf zwei 
verschiedenen Wegen vor sich : von oben nach unten und von 
außen nach innen ; d. h. daß erstens innerhalb einer nationalen 
Gemeinschaft die Verbrauchsbedürfnisse immer von den hohem 
zu den niedern Klassen, von den großen Städten in die kleinen 
und von hier zum flachen Lande hinabsteigen. Diese graduelle 
Assimilierung der Bedürfnisse in den verschiedenen Bevölkerungs 
schichten ist einerseits die Quelle vieler sozialen Unruhen, an 
dererseits bewirkt sie aber auch eine Stärkung der nationalen 
Einheit und Eigenart. Zweitens streben die Verbrauchsbedürf 
nisse vornehmlich mächtiger Völker immer und überall sich den 
benachbarten Völkern mitzuteilen. Diese fremde Einfuhr schä 
digt immer die nationalen Eigenarten und kann bis zu deren 
völligem Untergang führen. Andererseits fördert sie aber den 
Handel und trägt zum Weltfrieden bei, da sie das allgemeine 
Niveau der Kultur erhöht. 
*) Ibid. p. 187. 
2 ) Ibid. p. 187 ff., p. 195.
	        
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