Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  Nationalökonomie  bei  den  Philosophen  und  Soziologen

Meisters  die  Erforschung  und  den  Ausbau  der  allgemeinen  Soziologie, ­
  der  Religionsgeschichte,  der  juridischen  oder  ethischen
Disziplinen,  der  Volkswirtschaftslehre  usw.  in  Angriff  genommen
haben.  Uns  interessiert  hier  nur  die  volkswirtschaftliche  Gruppe,
in  welcher  Simiand  eine  überragende  Stellung  einnimmt.
Wir  werden  unten  über  seine  Arbeiten  berichten.  Durkheim
hat  1898  ein  Jahrbuch,  L’Année  Sociologique,  gegründet,  welches
den  Hauptsammelpunkt  der  Arbeiten  seiner  Schüler  darstellt.
Jeder  Band  des  Jahrbuches  enthält  in  einem  ersten,  kleinern
Teile  zwei  oder  drei  Aufsätze,  welche  die  von  diesem  oder  jenem
Schüler  mit  Hilfe  der  Methode  des  Meisters  auf  irgend  einem
Spezialgebiete  gewonnenen  Ergebnisse  zur  Darstellung  bringt.
Daran  schließt  sich  ein  zweiter,  wesentlich  größerer  Teil,  der
aus  methodisch  gruppierten,  kritischen  Besprechungen  aller  erreichbar ­
  gewesenen  Veröffentlichungen  des  betreffenden  Jahres,
die  für  irgend  einen  Zweig  der  Soziologie  von  Interesse  sind,
besteht.  Diese  Rezensionen,  an  denen  alle  Schüler  Dürkheims
beteiligt  sind,  bieten  ihren  Verfassern  Gelegenheit,  sich  mit  den
Methoden  der  besprochenen  Autoren  auseinander  zu  setzen,
und  allen  gegenüber  die  Vorzüge  ihrer  Methode  zu  preisen.
Die  moralphilosophischen  Forschungen  Dürkheims  sind
für  uns  insofern  von  Interesse,  als  sie  zum  Ziel  haben,  die  Arbeitsteilung ­
  zur  Grundlage  einer  neuen  Ethik  zu  machen,  und
zum  Hauptergebnis,  zu  einem  Programm  berufsgenossenschaftlicher ­
  Organisation  der  Gesellschaft  zu  führen.
Für  Durkheim  ist  die  Arbeitsteilung  eine  objektive  Grundtatsache ­
  nicht  nur  des  Wirtschaftslebens,  wie  Ad.  Smith  gelehrt, ­
  und  des  organischen  Lebens,  wie  Darwin  gezeigt  hat,
sondern  auch  des  gesamten  gesellschaftlichen  Lebens.  Er  beobachtet ­
  demgemäß:  1.  welches  die  gesellschaftliche  Funktion
der  Arbeitsteilung  ist,  d.  h.  welchem  gesellschaftlichen  Bedürfnis
sie  entspricht;  2.  welches  ihre  Ursachen  und  Bedingungen,  und
3.  welches  ihre  hauptsächlichsten  anormalen  Formen  sind 1 ).
Man  beachte,  daß  diese  Fragestellung,  wie  jene  anderer  induktiv
sein  wollender  Systeme,  die  wir  kennen  gelernt  haben,  bereits
eine  Doktrin  enthält.  Sie  setzt  zum  mindesten  eine  Begriffsi)

  Durkheim,  De  la  Division  du  Travail  social,  2.  Aufl.,  p.  3  ft’.,  8  ff.
            
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