Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

250 Zwolftes Buch. Zweites Kapitel. 
Kommando dem Becher zu. Und ganz unter sich wollte man 
sein, und nur unter Geltung genauester Gesetze fühlte man 
sich wohl. Für die Stube der Trierer Kaufmannsgilde be— 
standen diese um das Jahr 1450 in folgender Form: 
Die uf diese stobe 2u wine gain, 
die sullent die fremden daheime lain. 
Menlich si husch und gefuge: 
es sin gleser oder kruge, 
der eins breeh in sime gzorn, 
der hette ein futel gleser ader potte verloren. 
Das last ueh nit vergessen, 
wer da zuckt degen oder messer, 
Jer ist dem ampt verfallen, 
umb eéinen gulden an widerkallen 
Spricht iemans eime an sine eére, 
der ist schuldig soliche kere, 
als der meister des wirt stellen 
mit sinen sess gesellen: 
die buiss ist auch verborgen. 
Sin iklicher der sal sorgen, 
das er iemant slage uf den huiss, 
want da fellet wais und win uss, 
dieser buissen sal man niemaus beiden. 
Aude dich vor ungewonlichen eiden, 
die sint hi uf verboden 
af ein pont wais zu ere goden. 
Niemant sal hi uf kriegen 
EX 
den anderen, das ist min rait: 
din seister wins heruf stait. 
Und drinkent den win mit sieden, 
20 bleiben wir z2u guden friden, 
den gebe uns got allen samen. 
In godes namen amen!. 
Man sieht: es sind Regeln, die mit hoher Strafe die Beobach— 
tung der selbstverständlichsten Formen geselligen Verkehrs er—⸗ 
zwingen wollen: wie tief stehen sie noch unter den Trink- und 
Handschrift der Trierer Stadtbibliothek 1148, gedruckt Wytten⸗ 
bach und Müller, O. Trev. 2, Animadv. S. 16 u. 17.
	        
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